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29.08.2016 | Autor/in: Markus Lembeck

Professorenbefragung: Jurastudenten brauchen keine Aufgeschlossenheit

Welche Fähigkeiten sollte ein Jurastudent mitbringen? Aus einer Professorenbefragung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) ergibt sich ein ziemlich vorhersagbarer Kanon: Lese- und Schreibkompetenz, Ausdrucksfähigkeit, abstraktes Denkvermögen und eine gute Allgemeinbildung gehören dazu. Interessanter ist, welche Faktoren aus Sicht der Juraprofessoren ein geringes Gewicht haben.

Das CHE hat in einer Online-Befragung knapp 700 Juraprofessoren gebeten, die Wichtigkeit bestimmter Anforderungen zu bewerten. Da der Rücklauf mit über 35 Prozent relativ hoch war, können die Ergebnisse als repräsentativ gelten.

In zwei Kategorien unterscheiden sich die Juristen nicht von den Lehrenden aller anderen Fächern: „Lern-, Einsatz- und Leistungsbereitschaft“ sowie „selbstständiges Lernen/Selbstmanagement/Bereitschaft zum Selbststudium“ verlangen viele Professoren.

Ebenfalls in zwei Kategorien stimmen speziell die Hochschullehrer aus den Fächern Jura und Wirtschaftswissenschaften insoweit überein, als über 50 Prozent der jeweils Befragten Ja sagten: „abstraktes/logisches/analytisches Denkvermögen“ sowie „Kommunikationsfähigkeit, Sprachkompetenz, Ausdrucksfähigkeit“ sind nach Ansicht der Mehrheit unerlässlich.

Offenheit und Aufgeschlossenheit nicht so wichtig

Doch ansonsten gibt es schmerzliche Lücken im Anforderungsprofil: „Offenheit, Aufgeschlossenheit, Neugierde, Innovationsfähigkeit“? Kein Merkmal für angehende Juristen. „Interesse an (betriebs-)wirtschaftlichen Themen bzw. (betriebs-)wirtschaftliches Grundverständnis“? Nicht so wichtig. Viele Wirtschaftskanzleien haben es sich übrigens zur Aufgabe gemacht, ihre Anwälte zum Berufseinstieg in hauseigenen Akademien zu schulen. Wirtschaftsthemen stehen immer weit oben auf der Agenda, Top-Kanzleien wie Hengeler Mueller oder Freshfields Bruckhaus Deringer ermöglichen ihren Associates sogar den MBA-Abschluss.

Es mag an den technischen Umfragedetails liegen, aber dass die Kategorie „Interesse an rechtlichen Inhalten/Gerechtigkeitsempfinden“ es nicht in die Top-Auswahl der Juraprofessoren schafft, muss überraschen. Für die FH-Professoren im Wirtschaftsrecht, die parallel befragt wurden und mit einer Rücklaufquote von über 56 Prozent fleißig antworteten, gehört diese Fähigkeit zum Anforderungsprofil – ebenso wie Offenheit. (Markus Lembeck)

IM INTERNET

http://www.che.de/cms/?getObject=5&getNewsID=2012&getCB=398&getLang=de
http://www.che.de/downloads/CHE_AP_194_Anforderungsprofile_Studienfaecher.pdf