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21.07.2016 | Autor/in: René Bender
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WP-Gesellschaften: Wachstum in der Rechtsberatung erfordert personellen Ausbau

Die Top-25 der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben im vergangenen Jahr ihren Umsatz in Deutschland um durchschnittlich rund acht Prozent gesteigert. Ein entscheidender Grund dafür ist die gestiegene Nachfrage bei Rechts- und Steuerberatung, analysiert das Marktforschungsinstitut Lünendonk. Das Wachstum in der Beratung macht die Anwerbung guter Mitarbeiter noch wichtiger.

Die klassische Wirtschaftsprüfung macht mit 34 Prozent zwar noch den Großteil des Gesamtumsatzes der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften aus, allerdings wuchs dieses Geschäftsfeld kaum noch. 25 Prozent des Umsatzes entfallen auf Steuerberatung, 13 beziehungsweise 9 Prozent auf Rechtsberatung.

Prüfung stagniert, Beratung wächst

Trotz des vergleichsweise noch geringen Anteils gehen die Gesellschaften davon aus, dass der für 2016 erwartete Umsatzanstieg von fünf Prozent vor allem in den beratenden Geschäftsfeldern zu holen ist. Grund für die Verschiebung ist unter anderem das Abschlussprüfungsreformgesetz, das jüngst in Kraft getreten ist. Dieses schreibt vor, dass börsennotierte Unternehmen alle zehn Jahre den Wirtschaftsprüfer wechseln müssen, was althergebrachte Mandatsbeziehungen aufweichen wird.

Wichtige Beratungsthemen bei den Top-25-WP-Gesellschaften waren im vergangenen Jahr Firmenübernahmen und Fusionen, aber auch “Compliance, IT-Security und digitale Transformation erfreuten sich hoher Nachfrage”, sagte Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk. Das Marktforschungsinstitut befragt im Rahmen einer jährlichen Studie 89 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zu Umsätzen, Strukturen und Planungen.

EY springt auf Platz 2

Beim Umsatz führt auch für 2015 wieder PricewaterhouseCoopers, die sich um 5,9 Prozent auf 1,64 Milliarden Euro steigerte. Platz 2 belegt erstmals Ernst & Young mit einem großen Umsatzplus von 9,2 Prozent auf nun 1,53 Milliarden Euro. KPMG und Deloitte mit 9 beziehungsweise 8,3 Prozent Zuwachs und 1,51 Milliarden beziehungsweise 789,6 Millionen Euro erreichen Platz 3 und 4.

Unter den zehn größten Gesellschaften legte Warth & Klein Grant Thornton mit 13 Prozent den größten Sprung hin und erwirtschaftete nun 85,9 Millionen Euro Umsatz. Zuwächse verbuchten auch BDO, Rödl & Partner, Ebner Stolz, Baker Tilly Roelfs, und Roever Broenner Susat Mazars, die das Feld der zehn umsatzstärksten Gesellschaften komplettieren.

Globalisierung, Digitalisierung und Mitarbeitersuche sind die Themen, die die Wirtschaftsprüfungsbranche am meisten beschäftigen. Und es sind gleichzeitig die Themen, durch die sich die Big-Four-Gesellschaften vom Rest der Verfolger absetzen. Denn Digitalisierung ist teuer, Globalisierung ebenfalls und auch in die Suche nach den besten Mitarbeitern muss man kräftig investieren. Deshalb konzentriert sich die Branche weiter, vor allem im Mittelfeld: Mittelgroße Praxen übernehmen die kleineren, kleinere Einheiten schließen sich zu größeren zusammen – eine Entwicklung, die Experten auch für die kommenden Jahre erwarten.

Fehlende Attraktivität für Top-Absolventen

Unter Juristen, die als Bewerber oder Berufseinsteiger im Markt unterwegs sind, sind die WP-Gesellschaften und ihre Rechtsberatungszweige aktuell nicht besonders populär. In der azur-Liste 2016, die sich auf Bewertungen aus dieser Gruppe sowie Arbeitgeberangaben zu Gehalt und Neueinstellungen stützt, können sich nur wenige platzieren: PwC auf Platz 21, Rödl & Partner auf Platz 55 und EY auf Platz 62. Ebenfalls vertreten sind Esche Schümann Commichau, EY Law, Happ Luther (jetzt Möhrle Happ Luther) und Deloitte Legal. Ihnen fehlt vor allem die Attraktivität aus Bewerbersicht, um im Wettstreit mit den reinen Wirtschaftskanzleien höhere Platzierungen zu ergattern. (Christiane Schiffer, Markus Lembeck)

Mehr über die azur-Liste 2016 und die Top-Arbeitgeber für Juristen: www.azur-online.de/top-arbeitgeber/