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02.05.2016 | Autor/in: Markus Lembeck
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Richterbund: Neuer Vorsitzender sieht Justiz als Arbeitgeber im Nachteil

Der Deutsche Richterbund (DRB) hat einen neuen Vorsitzenden: Jens Gnisa (52), Direktor des Amtsgerichts Bielefeld, folgte Ende April auf den Freiburger Oberstaatsanwalt Christoph Frank (63), der das Amt neun Jahre lang innehatte. Gnisa erneuerte die Forderungen des Richterbunds nach einer höheren Besoldung und wies auf einen akuten Personalmangel an deutschen Gerichten hin.

Neuer DRB-Chef: Jens Gnisa, Direktor des Amtsgerichts Bielefeld.

Neuer DRB-Chef: Jens Gnisa, Direktor des Amtsgerichts Bielefeld.

Gnisa wurde von der Bundesvertreterversammlung für die kommenden drei Jahre als Vorsitzender des 13-köpfigen Präsidiums gewählt. Als stellvertretender Vorsitzender gehört er dem Gremium bereits seit 2010 an. In seiner neuen Rolle unterstützen ihn als Stellvertreter Lore Sprickmann Kerkerinck, Direktorin des Amtsgerichts Freising, und Joachim Lüblinghoff, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Hamm.

Nachfolger von Dopingstaatsanwalt Frank

Gnisas Vorgänger Christoph Frank prägte den Berufsverband, der über 16.000 Mitglieder hat, nachhaltig. Neben den Debatten um Gesetzesreformen wie etwa auf dem Gebiet des Strafrechts kümmerte er sich auch um internationale Themen. Unter seiner Ägide beteiligte sich der Richterbund an der Initiative ‘Law Made in Germany’, die sich für eine Vermarktung des deutschen Rechtssystems auf internationaler Ebene einsetzt. Als Oberstaatsanwalt leitet er weiterhin die Schwerpunktabteilung Dopingkriminalität in Baden-Württemberg.

Franks Nachfolger Gnisa wies auf die Sichtweise des Richterbunds zu den Sparzwängen in der deutschen Justiz hin. Der Kampf um eine auch im internationalen Vergleich faire Besoldung gehört zu den Standardthemen des Berufsverbands. Die Unterfinanzierung der Gerichte, so Gnisa, verursache einen Personalmangel auf allen Rängen. Im Wettbewerb um die besten Köpfe könne die Justiz nur mithalten, wenn es ein gerechte Bezahlung und ein angepasstes Dienstrecht gäbe.

Sind Kanzleien als Arbeitgeber attraktiver?

Gnisas Analyse der Konkurrenzsituation zwischen der Justiz und anderen Arbeitgebern überrascht. In der Regel beklagen Wirtschaftskanzleien, die ebenso wie die Gerichte und Staatsanwaltschaften ausschließlich auf Prädikatsabsolventen setzen, die höhere Attraktivität des Richterberufs gegenüber dem Anwaltsberuf, der mit seinen langen und nicht immer planbaren Arbeitsstunden eine schlechte Work-Life-Balance verheißen kann.

Allerdings hat bereits die BGH-Präsidentin Bettina Limperg im vergangenen Jahr im Gespräch mit azur eine „Verklärung des Richterberufs“ festgestellt: „Richter müssen sehr viel arbeiten. Sie setzen durchaus an Wochenenden und am Abend freie Zeit ein, um mit ihrem Pensum zurechtzukommen.“ (Markus Lembeck)

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