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12.05.2016 | Autor/in: Norbert Parzinger

Arbeitszeiten: Knapp elf Stunden täglich sind in Kanzleien die Norm

54,2 Wochenstunden verbringt ein Durchschnitts-Associate in einer deutschen Wirtschaftskanzlei am Schreibtisch – so das Ergebnis der azur-Associateumfrage 2015. Teilnehmer aus Rechtsabteilungen, Beratungsgesellschaften und Behörden arbeiteten mit durchschnittlich 46,8 Wochenstunden deutlich weniger.

Innerhalb der Kanzleien fallen einige Fachbereiche mit besonders hohem oder besonders niedrigem Arbeitspensum auf. Das Projektgeschäft in M&A, Private Equity und Venture Capital sowie im Kartell-, Bank- und Finanzrecht sorgt nicht nur für Auslastungsspitzen, sondern auch insgesamt für ein nochmals höheres Stundenpensum. So arbeiten die Private-Equity-Spezialisten im Schnitt 58 Stunden pro Woche, Kartellrechtler und M&A-Anwälte rund 56,5 Stunden.

Besonders lange Arbeitszeiten in Frankfurt und Düsseldorf

Vergleichsweise komfortabel wirkt daneben der Alltag im Vertriebs- oder Medienrecht, wo im Mittel nur knapp über 50 Wochenstunden anfallen. Gesellschafts-, Energiewirtschafts-, Immobilien- und Steuerrechtler kommen dem Marktdurchschnitt mit 53,5 bis 54,4 Stunden am nächsten. 

Auch regional gibt es deutliche Unterschiede. So arbeiten die Associates in Frankfurter oder Düsseldorfer Kanzleien mit durchschnittlich über 56 Wochenstunden deutlich mehr als ihre Kollegen in Hamburg und Berlin (je 53,3 Stunden) oder Köln (52,1 Stunden). München liegt mit rund 54 Stunden dazwischen. Durchweg ein deutlich geringeres Pensum haben die angestellten Anwälte in Kanzleien abseits der Metropolen.

Inhousejuristen trotz mehr Freizeit nicht zufriedener

Seit 2010 hat sich die durchschnittliche Arbeitsbelastung der Umfrageteilnehmer kaum verändert. 2011 erreichte die durchschnittliche Wochenstundenzahl ihren bisherigen Höhepunkt – sowohl in Kanzleien (55,8 Stunden) als auch in Unternehmen (47,9 Stunden). Die seitherige Untergrenze (53,8 Stunden) erreichten die Kanzleien, die ihre Mannschaften wieder auszubauen begannen, schon im Jahr darauf. Bei Unternehmen, Behörden und Beratungsgesellschaften war das Minimum (46,4 Stunden) 2013 erreicht.

Auf die Zufriedenheit der Umfrageteilnehmer wirkte sich der jeweilige Arbeitsanfall kaum direkt aus. Sowohl Associates in Kanzleien als auch Inhousejuristen bewerteten ihre Arbeitgeber in der azur-Umfrage in diesem Punkt ausgesprochen mäßig. Die azur-Associateumfragen 2010 bis 2015 fanden jährlich jeweils zwischen Mai und Juli statt. Pro Jahr nahmen jeweils über 3.000 berufstätige Juristen an den Umfragen teil. (Norbert Parzinger)

Was die Arbeitszeit von Associates und Inhouse-Juristen den Arbeitgebern wert ist, lesen Sie unter www.azur-online.de/geld