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23.03.2016 | Autor/in: Norbert Parzinger

Referendargehälter: Bis zu 1.000 Euro pro Wochenarbeitstag möglich

Nicht nur die Associategehälter, auch die Referendarsvergütung in deutschen Wirtschaftskanzleien legt Stück für Stück zu. Inzwischen bezahlen über 30 Kanzleien ihren Referendaren mindestens 700 Euro monatlich pro Wochenarbeitstag. In einzelnen Sozietäten winken damit bis zu 4.000 Euro im Monat. Gleichzeitig schränken mehrere Bundesländer den Zuverdienst zumindest formal stärker ein.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Kanzleien sind dabei enorm: Während manche im Monat nur knapp über 100 Euro pro Wochenarbeitstag bezahlen, legen andere für den selben Einsatz bis zu 1.000 Euro auf den Tisch (Referendargehälter 2016). Wer pro Woche zwei Tage in der Kanzlei verbringt, erhält am Monatsende entsprechend maximal 2.000 Euro, bei drei Wochenarbeitstagen bis zu 3.000 Euro. 

Drei bis vier Tage Referendareinsatz pro Woche sind in den meisten Kanzleien das Maximum, schließlich soll auch Zeit für die Ausbildung in den Arbeitsgemeinschaften und für die Prüfungsvorbereitung bleiben. Zudem ist der sinnvolle Zuverdienst von staatlicher Seite begrenzt. Von ihrem Dienstherren, dem jeweiligen Bundesland, erhalten die Referendare eine monatliche Unterhaltsbeihilfe in Höhe von derzeit 950 Euro (Hamburg) bis 1.310 Euro (Thüringen). Fällt der Nebenverdienst zu hoch aus, wird je nach Bundesland die Beihilfe gekürzt.

Stationsentgelt in Hessen verboten

Einige Bundesländer gehen inzwischen noch deutlich weiter. Das hessische Justizministerium sorgte Ende 2015 für Erstaunen, als es die Bezahlung von Referendaren in der Anwalts- oder Wahlstation kurzerhand verbot (mehr…). Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundessozialgerichts vom März 2015, nach der die Beschäftigungsbehörde eines Referendars für Sozialabgaben haftbar ist, wenn eine externe Ausbildungsstelle diese Abgaben gesetzeswidrig nicht zahlt. Hessische Referendare müssen darum seit Januar 2016 schriftlich versichern, dass sie keine Zusatzvergütung annehmen werden. Ähnliche Pläne sind auch aus Sachsen und Niedersachen bekannt.

Dass die Stationsentgelte künftig einfach wegfallen, ist freilich nicht anzunehmen. Denkbar wäre vielmehr, dass die Bezahlung faktisch über eine zusätzliche Nebentätigkeit des Referendars für seinen externen Ausbilder erfolgt. Denn während viele Nachwuchsjuristen die Anwalts- oder Wahstation nutzen, um finanzielle Polster für die Prüfungsphase aufzubauen, sind hohe Referendarsgehälter für etliche Arbeitgeber auch ein Mittel zur Nachwuchsrekrutierung – allerdings mit sehr unterschiedlichem Erfolg (mehr…). (Norbert Parzinger)

Wie viel Referendare und Associates in mehr als 300 Wirtschaftskanzleien, Rechtsabteilungen, Beratungsgesellschaften und Behörden in Deutschland verdienen können, lesen Sie unter www.azur-online.de/geld.