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09.03.2016 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Lohngefälle bei Associates: Frauen verdienen weniger

Männliche Associates in Wirtschaftskanzleien verdienen in den ersten Jahren deutlich mehr als ihre weiblichen Kollegen, die mit genauso viel Berufserfahrung auf Vollzeitbasis tätig sind. Das zeigt die azur-Associateumfrage 2015, an der insgesamt über 3.000 junge Anwälte teilgenommen haben.

Diese Ergebnisse basieren ausschließlich auf den Antworten der Umfrageteilnehmer aus Kanzleien zu ihrem eigenen Festgehalt und sind nicht zu verwechseln mit den offiziellen Gehaltsangaben der Arbeitgeber. Im ersten Berufsjahr ist der Unterschied laut azur-Umfrage am größten – weibliche First-Year-Associates bekommen durchschnittlich knapp zehn Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Im zweiten und dritten Berufsjahr schrumpft diese Differenz zusammen, im vierten und fünften Berufsjahr herrscht derzeit praktisch Gleichstand.

Ungleichbehandlung

Diese Unterschiede liegen zwar zum Teil daran, dass überproportional viele männliche Umfrageteilnehmer in internationalen Großkanzleien arbeiten – dem Kanzleityp, der tendenziell die höchsten Gehälter bezahlt. Die weiblichen Umfrageteilnehmer dagegen sind mehrheitlich in mittelgroßen Einheiten und deutschen Großkanzleien tätig. Doch auch innerhalb dieser Kanzleigruppen werden Frauen fast durchweg deutlich schlechter bezahlt als Männer im selben Dienstalter.

Gehaltsunterschied ohne Folgen für die Zufriedenheit

Worauf diese Gehaltsunterschiede zurückzuführen sind, lässt sich anhand der azur-Umfrage nicht eindeutig klären. Wichtigste Voraussetzung ist freilich, dass sich viele Kanzleien nicht auf ein einheitliches Anfangssalär festlegen, sondern innerhalb einer mehr oder minder breiten Spanne vergüten und diesen Spielraum auch in den Gehaltsverhandlungen nutzen. Der Großteil aller mittelgroßen Sozietäten, aber auch viele Großkanzleien verfahren nach diesem Schema.

Auf die Zufriedenheit der jungen Anwältinnen und Anwälte mit ihrer Bezahlung wirken sich die faktischen Gehälter dabei gar nicht aus. Laut der azur-Umfrage sorgen die ersten Monatsgehälter auf dem Konto bei Frauen wie Männern für Begeisterung. Auch die Teilnehmer im zweiten und dritten Berufsjahr sind geschlechtsunabhängig ähnlich zufrieden mit ihrem Gehalt. Werden Frauen und Männer im vierten und fünften Jahr dann praktisch gleich gut bezahlt, sind die Frauen erst recht begeistert. Männer dagegen zeigen sich trotz steigenden Einkommens durchschnittlich weniger zufrieden mit ihrer Vergütung. (Norbert Parzinger)

Wie viel Associates in mehr als 300 Wirtschaftskanzleien in Deutschland verdienen können, lesen Sie in den aktuellen azur-Gehältertabellen unter www.azur-online.de/geld