Magazin-Artikel
20.10.2015 | Autor/in: Laura Bartels

Mister Mittelstand: Ottmar Martini im Porträt

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 2/2015

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 2/2015

Ottmar Martini zählt zu den bekanntesten Mittelstandsberatern in Rheinland-Pfalz. Manche sprechen gar von einer Galionsfigur. Doch eine solche Strahlkraft hat auch ihre Schattenseiten. Gespürt hat Martini das etwa bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für seine Kanzlei. Von Laura Bartels (aus azur 2/2015)

In Koblenz kennt ihn jeder. Dr. Ottmar Martini ist das wohl bekannteste Gesicht der ortsansässigen Kanzlei Martini Mogg Vogt, eine Art Galionsfigur im rheinlandpfälzischen Anwaltsmarkt. Was wie eine Übertreibung klingt, ist tatsächlich keine. Martinis Weggefährten – Kollegen wie Konkurrenten – sind voll des Lobes für den Mann mit der sonoren Stimme und dem freundlichen Lächeln. Sie betonen seine juristische Kompetenz und seinen „freundlichen, aber bestimmten Auftritt”.

Für diesen Ruf hat Martini hart gearbeitet. Eine durchdachte Geschäftsstrategie und klar definierte Ziele haben ihn zu dem gemacht, der er heute ist: der Mister Mittelstand von Rheinland-Pfalz. „Ich habe meine berufliche Zukunft immer in einem klaren Dreischritt geplant: Idee, Machbarkeit, Umsetzung”, sagt er.

Für den klassischen Mittelstand

Die Idee war Mittelstandsberatung. Machbar schien das in Rheinland-Pfalz auch. Denn neben großen Konzernen wie Boehringer Ingelheim gibt es dort einen ausgeprägten klassischen Mittelstand. An die Umsetzung wollte sich Martini allerdings nicht allein begeben. Deshalb gründete er 1993 gemeinsam mit seinem Partner Johannes Mogg die Kanzlei Martini & Mogg.

Ottmar Martini

Ottmar Martini

Neben seiner Anwaltszulassung hatte Martini eine Zusatzqualifikation als Wirtschaftsprüfer. Ideale Voraussetzung also für die Beratung mittelständischer Unternehmen. Mogg war damals noch verstärkt im Verwaltungsrecht tätig, mittlerweile liegt sein Fokus auf der Medizinbranche. Durch den Zugang von Dr. Hans Vogt, Experte für Unternehmensnachfolgen, im Jahr 2001 wurde aus Martini & Mogg schließlich Martini Mogg Vogt.

Knapp 15 Jahre später steht Ottmar Martini an der Spitze einer Kanzlei mit über 20 Berufsträgern, die von Arbeitsrecht bis Unternehmensnachfolge alle für den Mittelstand wesentlichen Rechtsgebiete abdeckt – und noch ein bisschen mehr. Denn durch die enge Zusammenarbeit mit den angeschlossenen Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern hat auch Martini die für den Mittelstand so typische multidisziplinäre Aufstellung für seine Kanzlei gewählt. Und sie damit für die kommenden Jahre ideal aufgestellt.

Mit 70 ist Schluss

Um die Zukunft der Kanzlei wird sich allerdings ein Nachfolger kümmern müssen. Mit 70 ist endgültig Schluss, sagt der heute 64-Jährige. Aus der Kanzleiführung will er sich schon früher zurückziehen. Und auch das überlässt ein Mann wie Martini, der auf keine Frage reagiert, ohne zumindest ein paar Sekunden über die richtige Antwort nachzudenken, nicht dem Zufall. Nachdem er in den vergangenen 20 Jahren unzählige Unternehmer bei der Umstrukturierung und dem Generationswechsel in ihren Betrieben beraten hat, muss er nun den Staffelstab in seinem eigenen Unternehmen übergeben.

Natürlich hatte Martini dafür einen Plan. Den umzusetzen war allerdings schwieriger, als er zunächst gedacht hatte. Denn das bei Mittelstandsberatern so stark betonte unternehmerische Denken spielt nicht nur im Mandat, sondern auch in der eigenen Kanzlei eine wesentliche Rolle. Für Martini war die Rolle des Kanzleimanagers quasi maßgeschneidert, für seine Kollegen weniger. Zwar hatten auch die übrigen geschäftsführenden Partner seiner Kanzlei seit einigen Jahren Managementaufgaben übernommen. Als es aber schließlich darum ging, Martinis Part an der Spitze der Sozietät einzunehmen, hielten sich seine Kollegen bedeckt.

Quereinsteiger für die Chefnachfolge

Das veranlasste Martini zu einem ungewöhnlichen Schritt: Weil kein Interner den Chefposten wollte, musste ein Externer her. Vier Jahre hat er gesucht, am Ende hat er Georg Moesta gefunden. Er kam 2014 von einer anderen mittelständischen Kanzlei aus Koblenz zu Martini Mogg Vogt. In ein paar Jahren wird er den Laden allein schmeißen.

Und zwar dann, wenn Martini sich endgültig aus dem Anwaltsleben zurückgezogen hat. Angst hat er vor diesem Tag nicht. „Ich kann mir gut vorstellen, eines Tages nicht mehr jeden Morgen in die Kanzlei zu fahren und mich an meinen Schreibtisch zu setzen“, sagt er. Bis dahin wird es ein Rückzug auf Raten. Die Wochenendarbeit hat er bereits seit seinem 60. Geburtstag eingestellt.

Schlagzeuger gesucht

Nächster Schritt wird die Aufgabe seiner juristischen Ehrenämter sein. Und auch das Leben nach der Kanzlei hat er schon geplant. Ganz oben auf seiner Agenda steht, viel Zeit mit der Familie zu verbringen: mit seiner Frau, zwei Kindern und vier Enkeln. Und neben Reisen und Golf soll noch genug Zeit bleiben für einen Wunsch, den Martini sich gern erfüllen möchte: mit seiner alten Band noch einmal Musik machen. Bis zum Ruhestand muss er dafür noch ein kleines Hindernis überwinden. Denn bisher fehlt der Band ein Schlagzeuger. „Wenn wir einen geeigneten Kandidaten finden, kann es losgehen”, sagt er. Um einen Bandleader muss sich die Truppe jedenfalls nicht mehr kümmern.