Magazin-Artikel
20.10.2015 | Autor/in: Mathieu Klos

Missgeschick mit Folgen: Steuerrechtler Matthias Schell im Porträt

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 2/2015

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 2/2015

Als Deutscher in einer US-Kanzlei mit Transaktionsfokus Partner zu werden, gelingt nur selten – noch seltener, wenn man im Steuerrecht berät. Dr. Matthias Schell schaffte genau das bei Milbank Tweed Hadley & McCloy. Von Mathieu Klos (aus azur 2/2015)

Matthias Schell

Matthias Schell

Augsburg im Juni 1999. Matthias Schell tut genau das, was Studenten eigentlich nie tun. Er fährt mit dem Auto zur Vorlesung und parkt ausgerechnet auf einem Professorenparkplatz. Ein böser Fehler? Wenige Minuten später beginnt Prof. Dr. Wolfgang Jakob seine Steuerrechtsvorlesung mit der Frage, wem denn der Wagen mit dem Aschaffenburger Kennzeichen auf seinem Stellplatz gehöre. Reumütig meldet sich Schell und parkt um. Was als Fauxpas beginnt, entpuppt sich als Glücksgriff. Denn der Hochschullehrer stammt wie Schell aus der unterfränkischen Metropole. Die beiden kommen ins Gespräch. Jakobs stellt den jungen Studenten später als wissenschaftlichen Mitarbeiter ein.

Wenn Schell spricht, tut er das mit klarem Ton und bedächtiger Melodie, wie sie den Franken eigen ist. Den typischen Akzent mit dem rollenden ‚R‘ pflegt er nicht. Jedes Wort, das über seine Lippen kommt, ist gut überlegt. So erzählt er, dass er schon gegen Ende seiner Schulzeit vom Jurastudium überzeugt war, sein Werdegang als Steueranwalt aber erst durch diese Begebenheit auf dem Augsburger Parkplatz seinen Lauf nahm.

Schnittstelle zu Transaktionen

Seine Karriere hat Anfang des Jahres einen Höhepunkt erreicht. Schell ist seither der jüngste der vier Steuerpartner im deutschen Milbank-Team. Nur zwei Deutschen gelang zuletzt dieser Schritt. Die Chancen darauf sind für einen Steuerrechtler in US-Kanzleien normalerweise gering. Milbank gehört immerhin zu den erfolgreichsten Transaktionskanzleien hierzulande, und in solchen Praxen haben Steuerteams vor allem Unterstützungsfunktion. Milbank versteht sich eher als kombinierte Transaktions- und Steuerpraxis, und Schell suchte sich seine Nische genau an der Schnittstelle zur Transaktionsberatung.

Etwas mehr als 60 Prozent seiner Arbeit drehen sich um die steuerrechtliche Beratung im  Transaktionskontext, wie beispielsweise 2013 die Übernahme der BFH Bank durch den US-Finanzinvestor RHJ International. Für Schell war diese Transaktion ein persönlicher Meilenstein, weitere folgten. Er trug damals erstmalig die Verantwortung für die deutschen Steueraspekte und erntete dafür die Anerkennung der Partner. Seine restliche Arbeitszeit widmet Schell der Beratung von Unternehmen wie ProSiebenSat.1 oder dem FC Bayern München im Zusammenhang mit Betriebsprüfungen oder bei Steuerprozessen.

Gleich zu Beginn seiner Karriere setzte Schell auf die Karte Milbank. Nach dem Studium heuerte er 2006 direkt bei der US-Kanzlei an. Der Weg von Augsburg nach München war nicht weit, und der Fokus auf internationales Steuerrecht passte. Schell gab sich zunächst die vorsichtige Perspektive von drei Jahren. Bis zum Steuerberater-Examen wollte er sich reinknien, danach weitersehen.

Professionelles Umfeld, gutes Team

Inzwischen hat Schell zehn Jahre Milbank auf dem Buckel, aber das stört ihn nicht. Im Gegenteil. Der Unterfranke ist froh, sich nicht nach einer anderen Kanzlei umschauen und aus dem geliebten München wegziehen zu müssen. „Hier habe ich eine tolle Symbiose aus einem professionellen Umfeld und einem gleichzeitig menschlich sehr ansprechenden Team.“

Dass Schell vielleicht kein Haudrauf, sondern etwas bedächtiger ist als manch ein Kollege aus dem Transaktionssektor, hat auch mit seinem Fachgebiet zu tun. Mandanten lieben bei Steuerberatern und Anwälten Konstanz und langfristige Beziehungen. Zudem gilt das Steuerrecht als extrem anfällig für Haftungsansprüche. Alle Schritte wollen genau überlegt sein. Steueranwälte müssen zwar nicht fürchten, häufiger als andere Kollegen in Regress genommen zu werden. „Aber in der steuerrechtlichen Beratung hat man es mit einer besonderen Kontrollinstanz zu tun – dem Betriebsprüfer“, erklärt Schell. „Dessen hoheitliche Tätigkeit schafft eine grundsätzlich andere Verhandlungssituation als mit einem Geschäftspartner, dem man auf Augenhöhe begegnet.“

Dass Steueranwälte auch Lücken im Gesetz nutzen, um dem Mandanten einen Mehrwert zu bieten, ohne dabei die Grenze des Erlaubten zu überschreiten, liegt auf der Hand. Schell und seine Kollegen beraten aber mit dem nötigen ­Sicherheitsabstand. „Nicht auf, sondern vor der Grenze zum Problematischen, damit die Mandanten nichts liegen lassen, aber auch ruhig schlafen können.“