Magazin-Artikel
20.10.2015 | Autor/in: Mathieu Klos

Im Reich der Reichen: Die diskrete Beratung von Private Clients

Fortsetzung

Sich behaupten musste Kröber auch im September 2011, als sein Mentor Bornheim nach kurzer Krankheit verstarb. Kröber, der seit 2000 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referendar für den bekannten Steuerberater gearbeitet hatte und dann 2005 direkt als Junior Partner eingetreten war, musste über Nacht in große Fußstapfen treten und die Steuerpraxis der Kanzlei weiterführen.

Die Klienten, Sportler, Künstler und bedeutende Familienunternehmer, wandten sich nicht ab, gaben dem damals 34-jährigen Jungspund eine Chance. „Manche haben mich richtig auf Herz und Nieren geprüft“, erzählt Kröber. In den Folgejahren baute er das Steuerteam, zu dem auch die Private-Clients-Beratung gehört, weiter aus. Für Kröber wie auch Thonemann-Micker gilt, was für viele Anwälte der Szene gilt: Sie sind ihrer ersten Kanzlei treu geblieben.

Vertrauen erarbeiten

Kontinuität ist auch für viele Wohlhabende wichtig. Familienunternehmen und Adelsdynastien beispielsweise leben diese selbst vor. Wegen der häufig pikanten wirtschaftlichen und familiären Details setzen sie zudem auf Kontinuität bei den Beratern. Wechsel zu anderen Anwälten sind selten und geschähen nach Aussagen von Anwälten ganz überwiegend auf der Basis von Empfehlungen. Um ihrerseits Kontinuität zu dokumentieren, sind Wechsel zu anderen Kanzleien unter Private-Clients-Anwälten seltener als bei Kollegen anderer Fachrichtungen.

Vertrauen ist ein ebenso wichtiges Charakteristikum in der Beziehung zwischen Private­Client und Anwalt, weil es eben nicht nur um die rechtliche und steuerliche Gestaltungen der Vermögensverhältnisse geht. „Die Mandanten sagen: ‚Der Berater soll denken wie wir‘“, erklärt ein Anwalt. „Es geht ja letztlich nicht um die technische Umsetzung von Dingen. Man muss spüren, was der Mandant will.“ Dass Nils Kröber aus einer Unternehmerfamilie stammt, empfindet er durchaus als Vorteil.

Es geht auch ohne Herkunft aus einer Unternehmerfamilie, meint dagegen Thonemann-­Micker. „Ein unternehmerisches Gen sollte aber vorhanden sein.“ Ihr Vater arbeitete als selbstständiger Betriebswirt. So lernte sie die Risiken eines Selbstständigen kennen. „Ich bin sehr früh Partnerin geworden und musste mich mit unternehmerischen Themen beschäftigen, die auch meine Mandanten in ähnlicher Weise umtreiben.“

Klare Worte

Integrität gehört ebenso zum Berufsbild eines Private-Client-Anwalts dazu wie das Fachwissen. Das repräsentieren Thonemann-Micker und Kröber nicht nur äußerlich. Als Berater müssen sie oft unschlüssige Mandanten führen können – und die sind mitunter gestandene Persönlichkeiten. „Als Unternehmer wissen meine Mandaten oft sehr genau, was sie wollen“, so Thonemann-Micker. Mitunter passiert es aber auch, dass sie Vorstellungen jenseits des gesetzlich Möglichen haben. Solche Mandanten lehnen Thonemann-Micker und Kröber ab.

Dass ihre Profession aber nicht immer sauber diesseits der gesetzlichen Grenzen arbeitet, belegten in der Vergangenheit die vielen Schwarzkonten in Steueroasen. Man sei als Anwalt schließlich nur Dienstleister, aber man müsse als Berater der Wohlhabenden zu ihrem Schutz auch ein klares Wort e­rteilen können, wenn sie über die Grenzen des Gesetzes oder das unternehmerisch Vernünftige hinausschießen, so Nils Kröber. „Aber immer nur im vertraulichen Gespräch, niemals in einer größeren Runde.“

Die Reichen der Republik sind eine anspruchsvolle Klientel – das bestätigen alle Anwälte gerne, aber auch, dass sie dankbar sind, wenn man ihre Probleme aus der Welt schafft. So erzählt Susanne Thonemann-Micker mit einem Schmunzeln, dass ihr schon mehrmals ältere Herren, Inhaber von mittelständischen Unternehmen, nach einer erfolgreichen Beratung ein Päckchen mit Chanel No. 5 geschickt haben. Stil gehört eben auch zur Beratung der Private­Clients, selbst wenn die Geschmäcker verschieden sind.

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