Magazin-Artikel
20.10.2015 | Autor/in: Mathieu Klos

Im Reich der Reichen: Die diskrete Beratung von Private Clients

Fortsetzung

Dann sind Private-Clients-Anwälte mitunter auch als Psychologen gefragt. „Ein psychologisches Zweitstudium braucht man zwar nicht, um diesen Beruf ausüben zu können, aber man muss schon sehr gute Menschenkenntnis besitzen“, erklärt Nils Kröber. „Es reicht, wenn man über lange Zeit gut beobachten und sich auf sein Bauchgefühl verlassen kann.“

Hohe Erwartungen

Kröber vergleicht seine Tätigkeit gerne mit der eines Concierge de Grand Hôtel, jenem Aufseher der Hotelhalle von Luxus­hotels, der im Dienste von Gästen mit zumeist höchsten Erwartungen steht. Nach dem Motto „Alles hören, alles sehen, nichts verlauten lassen“, ist er dem Gast ein aufmerksamer und verschwiegener Ansprechpartner. Er bügelt kleine und große Unregelmäßigkeiten aus. Der Concierge kennt die Angewohnheiten, kleinen Marotten und Interessen der Stammgäste. Für Kröber ebenso wichtig: „Der Concierge beherrscht sein Handwerkszeug – er löst Herausforderungen.“

Übertragen auf den Private-Client-Anwalt bedeutet das, dass er im Vergleich zu vielen anderen wirtschaftsberatenden Anwälten in gewisser Weise noch Generalist sein darf. Familien- und Erbrecht spielen eine Rolle, wenn es etwa um Testamente und Nachfolgeregelungen geht. Das Gesellschaftsrecht muss er beherrschen, wenn er als Vertrauensanwalt etwa die Interessen von Gesellschaftern in Unternehmen, wohlmöglich bei Umstrukturierungen oder Verkäufen vertritt. Doch die allem zugrunde liegende Fragestellung an den Berater klingt fast obszön: Wie bleibe ich reich?

Die Anwälte der Wohlhabenden wie Susanne Thonemann-Micker und Nils Kröber haben ihr Handwerkszeug häufig im Steuerrecht gelernt. Ihre beiden Kanzleien sind auf Rechts- und Steuerangelegenheiten, einschließlich der Prozessführung, spezialisiert. Die Reichen der Republik lassen sich aber nicht nur durch hoch spezialisierte Kanzleien wie Seitz und S&P Söffing beraten. Auch zahlreiche Teams in Großkanzleien wie Noerr, CMS Hasche Sigle oder Freshfields Bruckhaus Deringer fokussieren sich auf dieses Beratungssegment.

Kein Fall für Silberrücken

Diskretion, Menschenkenntnis und fundiertes Fachwissen. Eigentlich sollte man meinen, dass die Beratung von vermögenden Personen ausschließlich ein Fall für grauhaarige Partner im gesetzten Alter ist. Aber gerade Susanne Thonemann-Micker und Nils Kröber sind Beispiele dafür, dass der Einstieg in dieses Beratungsfeld ohne große Umwege gelingt, wenn man einen Altpartner von den eigenen Fähigkeiten überzeugen kann.

Vertrauen ist alles: Auf Empfehlung stieg Susanne Thonemann-Micker bei S&P Söffing ein.

Vertrauen ist alles: Auf Empfehlung stieg Susanne Thonemann-Micker bei S&P Söffing ein.

Thonemann-Micker beispielsweise wollte rechtsgestaltend tätig werden. Weil sie ein Faible für Zahlen hat, riet ihr Mann ihr zum Steuerrecht. Bereits im Studium entwickelte sie eine Neigung zum Erbrecht. Zu Beginn eines Praktikum in einer Big-Four-Gesellschaft erkannte ein Ausbilder, dass sie mit diesem Ansatz in einer klassischen Steuerabteilung falsch und richtig im Bereich Private Clients aufgehoben ist.

Er schickte Thonemann-Micker zu seinem Partner für die Beratung von Private Clients, dem damals schon bekannten Düsseldorfer Anwalt Dr. Matthias Söffing. Ein Vorstellungsgespräch hatte die damals 26-Jährige nicht, Söffing vertraute der Empfehlung seines Partners. Als sich Söffing später selbstständig machte, folge ihm Thonemann-Micker. Über die Stationen als wissenschaftliche Mitarbeiterin und später festangestellte Anwältin machte sie an der Seite des Altmeisters ihren Weg zur Partnerin.

Die Kombination erfahrener Anwalt und junge Mitarbeiterin empfand Thonemann-Micker dabei als ideal. Sie veröffentlichte viel zum Thema, der Übergang von der Mitarbeiterin zur eigenständig agierenden Anwältin, der die überwiegend mittelständische Klientel, einige Adelsfamilien, aber auch prominente Sportler vertrauen, erfolgte dann schleichend.

Fahrstuhl in die oberste Etage

Nils Kröber dagegen erinnert sich an ein prägnantes Schlüsselerlebnis. In Vertretung seines Ausbildungspartners Dr. Wolfgang Bornheim fuhr er zum wöchentlichen Jour Fixe einer erfolgreichen Unternehmerfamilie mit ihren Beratern. Dort stellte er fest, dass eine Handvoll von Unternehmensberatern fortwährend der sichtlich bedrängten Familienchefin neue Projekte für eine angeblich kritische Lage des Unternehmens vorschlugen.

Als er Gelegenheit hatte, mit der Unternehmerin unter vier Augen zu sprechen, fragte er sie, ob es zutreffe, dass das Ziel dieser Treffen ausschließlich darin bestehe, ihr Projekte zu verkaufen. Sie verneinte, bat ihn in ihr Büro und fragte ihn nach seinem Eindruck. Heute berät Nils Kröber die globalen Gesellschafterinteressen der Familie. „Vielleicht war ich damals etwas leichtsinnig, aber ich bin meinem Bauchgefühl gefolgt und habe die Situation, in der sich die Dame befand, richtig eingeschätzt“, so Kröber heute. Wenn man das Vertrauen der Private ­Clients gewinne, könne man schnell mit dem Fahrstuhl in die oberste Etage fahren, fügt der Kölner hinzu. „Dort oben muss man sich aber ständig behaupten. Welpenschutz gibt es nicht.“

Seiten:  123