Magazin-Artikel
20.10.2015 | Autor/in: Mathieu Klos

Im Reich der Reichen: Die diskrete Beratung von Private Clients

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 2/2015

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 2/2015

Private Clients sind wohlhabend, anspruchsvoll und scheu. Diskretion steht für ihre Berater daher an oberster Stelle. Denn sie erhalten Einblicke in eine Welt, die die Schönen und Reichen sonst nur ihren Hausärzten gewähren. Von Mathieu Klos (aus azur 2/2015)

Abu Dhabi, eine Szene wie aus einem Hollywood-Film. Für ein Abendessen mit einem wohlhabenden deutschen Klienten fliegt Nils Kröber um die halbe Welt in das arabische Emirat. Der 38-jährige Anwalt findet seinen Klienten samt Ehefrau in einem gediegenen Restaurant. Etwas abseits wachen zwei Bodyguards, ansonsten ist man an diesem Abend ganz unter sich. Man speist gut, trinkt exzellenten europäischen Wein und bespricht Geschäftliches.

Die Bodenhaftung nicht verloren: Nils Kröber aus der Kölner Kanzlei Seitz.

Die Bodenhaftung nicht verloren: Nils Kröber aus der Kölner Kanzlei Seitz.

„Das ist natürlich keinesfalls eine normale Beratungssituation von vermögenden Privatpersonen“, erklärt Nils Kröber, Partner der Kölner Kanzlei Seitz, die einen starken Schwerpunkt im Steuerrecht und bei der Betreuung sogenannter Private Clients hat. „Der Ausflug nach Abu Dhabi mahnt mich immer wieder, den Bodenkontakt nicht zu verlieren. Schließlich sind Anwälte zwar die Berater dieser Personen, dennoch nur Gäste in ihrer Welt.“

Florierende Beraterbranche

Fakt ist: das Vermögen in der Hand von Privatpersonen in Deutschland wächst. Einige Wirtschaftsinstitute warnen sogar schon, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Dabei wurde das Vermögen der Superreichen bislang offenbar noch unterschätzt, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kürzlich in einer Studie feststellte. Danach besitzt ein Prozent der Haushalte hierzulande 33 Prozent der Vermögenswerte.

Um die Wohlhabenden der Republik herum hat sich seit der Finanzkrise 2008 eine florierende Beraterbranche entwickelt. Weil aufgrund der guten konjunkturellen Lage in der Bundesrepublik auch immer mehr ausländische Vermögende hierzulande investieren, brummt das Geschäft mit den Private Clients. Um sie kümmern sich Banker, Vermögensverwalter, Versicherer, Steuerberater und eben auch Anwälte.

„Die Private ­Clients werden von vielen Beratern umschwirrt, von denen nicht alle seriös sind“, sagt Nils Kröber. „Das macht es schwer, sich als Anwalt das notwendige Vertrauen zu erarbeiten.“ Zu den Klienten zählen milliardenschwere Familiendynastien wie die Quants, Flicks oder Albrechts, die Mitglieder von Adelssippen ebenso wie wohlhabende mittelständische Familienunternehmer und Einkommensmillionären aus der Finanz-, Film- und Sportwelt. Sie alle haben viel Geld, tragen aber auch so manche Neurose mit sich herum.

Anspruchsvolle Klientel

Private Clients gelten als die schwierigsten Mandanten überhaupt. „Diese Klienten beanspruchen einen 24 Stunden am Stück, wenn‘s drauf ankommt“, berichtet ein Düsseldorfer Anwalt. „30 verschiedene Personen, die jederzeit hier in der Kanzlei anrufen können. Alle melden sich mit dem gleichen Familiennamen, und alle erwarten, dass man sie schon an ihrer Stimme erkennt und ihre persönlichen Belange direkt parat hat“, stöhnt ein Hamburger Berater.

Für Private-Clients-Anwälte steht fest: Die Reichen haben genauso chaotische Verhältnisse wie jeder andere. Die Anspruchshaltung ihrer Mandanten nimmt Susanne Thonemann-Micker gelassen: „Die Mandanten müssen schließlich in der Beratung uns gegenüber sehr sensible Details offenlegen – die Höhe ihres Vermögens oder mitunter auch ein uneheliches Kind. Das sind Dinge, die teilweise nicht einmal ihre Familienangehörigen wissen, und die wollen sie auch gegenüber ihrem Anwalt nicht mehrmals wiederholen.“

Die 39-Jährige ist Partnerin der Düsseldorfer Steuerkanzlei S&P Söffing, die einen starken Schwerpunkt bei der Betreuung von wohlhabenden Privatpersonen vor allem im mittelständischen Unternehmerbereich hat. Wenn ihr Telefon klingelt, kann Susanne Thonemann-Micker nicht sagen: „Augenblick. Ich muss erst einmal die Akte ziehen. Ich rufe Sie morgen zurück“ – selbst dann nicht, wenn das letzte Beratungsgespräch zwei Jahre zurückliegt. Für die Düsseldorfer Anwältin sind drei Dinge in der Beratung der Private ­Clients entscheidend: solides Fachwissen, geistige Flexibilität und Empathie. Ihr Kölner Kollege Nils Kröber beschreibt das so: „Es geht in der Beratung immer um Menschen. Auch die Wohlhabenden empfinden sich selbst immer als normale Menschen, was sie letztlich auch sind.“

Pikante Probleme

Abgesehen von einem gewissen Schamgefühl bei pikanten Familienproblemen wollen die Private Clients ihre Angelegenheiten grundsätzlich diskret behandelt wissen. Denn was geht es schon die breite Öffentlichkeit an – mitunter aber auch die eigene Familie – was an Vermögen vorhanden ist, wie viel man einem unehelichen Kind vererben will oder im schlimmsten Fall, welche Schwarzkonten sie in Steueroasen unterhalten.

Besonders sensibel wurde die Beratungssituation zuletzt immer dann, wenn der deutsche Fiskus neue Steuer-CDs aufgekauft hatte. Geht es um die Frage einer Selbstanzeige, wie im Fall von Uli Hoeneß, müssen die Anwälte nicht nur juristisch versiert und flexibel, sondern auch einfühlsam und verständnisvoll sein. Nicht selten geht es bei Steuerstrafsachen auch um die Existenz von Unternehmen und deren Inhabern.

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