Magazin-Artikel
20.10.2015 | Autor/in: Claudia Otto

Fliegen lernen: Wie Kanzleien ihre Partner aussuchen

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 2/2015

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 2/2015

Bei der Auswahl ihrer Partner verlassen sich kleinere Kanzleien meist auf ihre Menschenkenntnis. Großkanzleien dagegen setzen auch auf Assessmentcenter. Mancher Kandidat kommt nochmal ordentlich ins Schwitzen. Von Claudia Otto (aus azur 2/2015)

Mit ihren zwei Jahren ist sie hier in Deutschland zwar noch sehr jung, aber sie weiß schon genau, was sie will. Die Rede ist von Herbert Smith Freehills. Das klare Bekenntnis der Kanzlei zum Ausbau weckt Hoffnungen im Markt. Doch Deutschland-Chef Dr. Ralf Thaeter betont: „Obwohl wir hier neu sind, ist der Weg zur Partnerschaft sehr anspruchsvoll. Hier Partner zu werden, ist um nichts leichter als in einer anderen Topkanzlei – aber wir wachsen noch, im Gegensatz zu anderen.“

Erste Kandidaten im Rennen

Ab dem achten oder neunten Berufsjahr können Associates bei Herbert Smith Partner werden. Die Entscheidung darüber trifft eine internationale Partnerversammlung, basierend auf Vorschlägen und in Abhängigkeit davon, wie die Kandidaten in dem zweijährigen Partnertrainingsprogramm bewertet wurden. Praktisch kam es in Deutschland zwar noch nicht so weit, weil die Kanzlei erst seit 2013 hier präsent ist. Doch ihre ersten Kandidaten hat die deutsche Einheit schon ins Rennen geschickt.

Unter Druck durch verschobene Deadlines: Stefanie Herkert von Herbert Smith Freehills.

Unter Druck durch verschobene Deadlines: Stefanie Herkert von Herbert Smith Freehills.

Eine davon ist die Immobilienrechtlerin Stefanie Herkert. Sie hat im Moment den Status einer of Counsel. Dieser Begriff bezeichnet in großen Anwaltskanzleien häufig Rechtsanwälte, die außerhalb der Hierarchie von Partnern und angestellten Anwälten für bestimmte Mandate hinzugezogen werden – oft sind das Politiker oder Hochschullehrer.

Die 35-Jährige dagegen ist vollwertige Anwältin bei Herbert Smith. Ihre Positionsbezeichnung ist nur dem Umstand geschuldet, dass sie Quereinsteigerin und bei SJ Berwin zuvor schon über die Stufe der Associate hinausgewachsen war. Der normale Weg führt bei Herbert Smith vom Senior Associate direkt zum Partner. Eine offizielle Zwischenstufe gibt es nicht.

Herausforderungen unter Stress

Am Anfang des Partnertrainingsprogramms steht ein Assessmentcenter, in dem die Kandidaten zwei Tage unter Stress etliche Herausforderungen meistern müssen. Sie sehen sich mit verschobenen Deadlines konfrontiert, haben verschiedene Aufgaben parallel zu erledigen und werden dabei für eine spätere Auswertung teilweise gefilmt. „Man soll dabei wie ein Partner agieren, nicht wie ein Associate“, berichtet Herkert. „Zwei Tage trainiert man die Partnerrolle. Dazu gehört Mitarbeiterführung, Business Development, Mandatsarbeit – eben alles, was ein Partner so macht.“

Es folgt ein strikt vorgegebener Plan über die zwei Jahre. Dabei sind jedem Anwärter zwei Partner zur Unterstützung zugeteilt. Einer davon ist fachfremd, der Kandidat arbeitet also nicht täglich mit ihm zusammen. Das soll für einen anderen Blick sorgen. Inhalte des Programms sind unter anderem Workshops und weitere internationale Treffen vor allem in England und im Falle von Herkert auch ein Treffen nur für Frauen. Drei Monate vor Ablauf der zwei Jahre findet ein Interview mit dem internen Partnerernennungskomitee statt. „Auf akademische Exzellenz und unternehmerische Denke kommt es an“, sagt Thaeter. Sehr wichtig sei auch, den Nutzen des Mandanten im Auge zu haben.

Clifford Chance hat ebenfalls ein Assessmentcenter etabliert. Sogar ganze drei Tage müssen die Kandidaten hier ihr Können unter Beweis stellen. „Das Assessmentcenter dient vor allem dazu, international einheitliche Standards zu gewährleisten“, berichtet Dr. Jörg Rhiel, der Anfang 2015 zum Partner ernannt wurde. Dass alle Partner weltweit durch das gleiche Verfahren gehen, sei wichtig für eine einheitliche Qualität und ein konsistentes Auftreten, gerade bei großen internationalen Projekten.

Aus allen Blickwinkeln geprüft: Dr. Jörg Rhiel von Clifford Chance.

Aus allen Blickwinkeln geprüft: Dr. Jörg Rhiel von Clifford Chance.

Aufwändiges Auswahlverfahren

„Unsere Mandanten sollen sich überall auf der Welt gleich gut aufgehoben fühlen“, sagt der 37-Jährige. Frühestens ab dem fünften Berufsjahr wird bei Clifford über die Partnerschaft entschieden. Während die Kanzlei im vergangenen Jahr nur einen deutschen Anwalt zum Partner ernannte, waren es 2015 immerhin drei und 2012 sogar fünf. Der Corporate- und M&A-Anwalt Rhiel gehörte in diesem Jahr zu den Auserwählten. „Bei Clifford Chance existiert ein sehr detailliertes Anforderungsprofil an einen Partner“, betont er. Die Partnerernennung bestätige im Idealfall nur, dass sich jemand intern wie extern bereits wie ein Partner verhält.

Das Partnerverfahren, das auf 15 bis 16 Monate angelegt ist, wird von der sogenannten Partner Election Group begleitet, die aus sechs Partnern besteht. Nach einer 15-minütigen Selbstdarstellung, einem Sounding sowie einem Interview folgt das Assessmentcenter, bei dem die Kandidaten hohem Druck standhalten müssen. Es stehen verschiedene schriftliche und mündliche Übungen mit konkreten Beispielen an.

Zu den schriftlichen Übungen können strategische Fragen zählen, die sich in bestimmten Regionen stellen oder Themen wie Recruitment, Business Services, Mandantengewinnung oder strategische Modelle. Auch wirtschaftliche Analysen und die Herausforderung des Interessenausgleichs zwischen Mandanten, Kanzlei und Mitarbeitern können Themen sein. Zu den mündlichen Übungen zählen Rollenspiele, zum Beispiel: Ich bin Standortleiter in Hongkong und es gibt einen Vorfall, wie verhalte ich mich?

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