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29.09.2015 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Expansion: McDermott will mit Associates weiterwachsen

Die Kanzlei McDermott Will & Emery mit ihren Standorten Düsseldorf und München ist das Paradebeispiel einer expansiven internationalen Kanzlei im deutschen Markt – die Mannschaft und der Umsatz sind über die letzten beiden Jahre massiv gewachsen.

Doch zugleich führt die Kanzlei auch die vielleicht wichtigste Entwicklung in der deutschen Kanzleilandschaft mit an: Immer mehr Sozietäten feilen kräftig an ihrer Produktivität, gemessen am Umsatz pro Berufsträger (UBT). Der Düsseldorfer Partner Dr. Norbert Schulte erklärt, wohin der Weg der Kanzlei führen soll.

Norbert Schulte

Norbert Schulte

azur: Neben einem Umsatzplus von 50 Prozent in den vergangenen beiden Jahren hat McDermott auch fast 20 Prozent beim UBT zugelegt. Wo liegen die Treiber für die verbesserte Produktivität?
Norbert Schulte: Zum einen hat eine Reihe von großen Deals für Mandanten wie Signa und Blackstone dazu beigetragen, weil sie mehrere Praxisgruppen ausgelastet haben. Die Großmandate machen aber nur etwa 40 Prozent aus. Entscheidend sind die Beziehungen unserer Partner zu langjährigen Mandanten und der Aufbau neuer Kontakte. Zuletzt ist es uns außerdem gelungen, Mandanten in mehreren Büros zu betreuen, in Deutschland sowie im Ausland.

Sie haben zuletzt vor allem Partner aus anderen Kanzleien dazugeholt. Im Vergleich zu anderen internationalen Kanzleien ist die Leverage sehr niedrig. Welche Strategie steckt dahinter?
Wir pflegen das Bild des Anwalts als Unternehmer und Freiberufler. Deshalb legen wir großen Wert auf Qualität und unternehmerisches Denken. Das ist auch erforderlich, um unser Geschäft so weiter zu entwickeln wie wir es bisher getan haben. Nämlich aus einem Bereich, den wir neu erschlossen haben, wie dem Immobilienrecht, weitere Beratungsfelder zu entwickeln, etwa Beratung bei Finanzierungen und Restrukturierungen.

Ihre Leverage soll so bleiben?
Unsere Associate-Ebene ist momentan gemessen am Arbeitsaufkommen zu klein. Deshalb werden wir sie deutlich ausbauen. Allerdings wollen wir auch in Zukunft partnerbezogen arbeiten. Ideal wäre für uns ein Verhältnis von 1:1:2, also ein Equity-Partner, ein Income-Partner und zwei Associates. Ich bin überzeugt, dass deutsche Mandanten eine zu hohe Leverage langfristig nicht akzeptieren werden.

Welche Zielgröße streben Sie in Deutschland an?
Wir sind der Ansicht, dass wir mit rund 100 Anwälten ideal ausgestattet sein werden. Das ist die Größe, die wir in ein paar Jahren erreicht haben wollen.

Nach Ihrem Personalmodell heißt das aber auch, dass Ihre Partner weitgehend selbst dafür zuständig sind, dass sie ihre Produktivität weiter steigern können.
Richtig. Zu unserem Verständnis gehört es dazu, dass unsere Partner nachhaltiges Geschäft entwickeln, aber auf den Mandaten voll mitarbeiten und das nicht größtenteils von Associates erledigt wird.

Wie zukunftsfähig ist dieses Modell? Bremst es die Weiterentwicklung des Geschäfts nicht aus ?
Unserer Ansicht nach nicht. Die Mandanten wissen es zu schätzen, dass unsere Partner so engagiert im Mandat sind. Wir wollen durch die Qualität unserer Arbeit überzeugen und uns so weiterempfehlen. Dadurch wird es auch nicht notwendig, ständig nur in Pitches aufzutreten.

In welche Richtung geht die Expansion? Für welche Art von Geschäft soll McDermott in Deutschland stehen?
Große Familienunternehmen, Fonds, Family Offices/gehobener Mittelstand und langfristig auch börsennotierte Unternehmen sollen die Kernmandantschaft von McDermott sein. Wir fassen das unter dem Begriff „Private Capital“ zusammen. Durch unsere starken Kernpraxen Corporate, Steuern und Immobilien sind wir in diesem Segment, in dem die Kapitalkraft, aber auch der grenzüberschreitende Beratungsbedarf stetig steigen, gut aufgestellt.

Das Gespräch führten Laura Bartels und Aled Griffiths.

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