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25.08.2015 | Autor/in: Markus Lembeck

Frauenanteil: Juristinnen im höheren Justizdienst bevorzugt eingestellt

Juristinnen an die Macht: Manche Bundesländer besetzen im höheren Justizdienst nur noch jede vierte Stelle mit einem Mann. Im Jahr 2014 lag der Frauenanteil bei den Neueinstellungen in den meisten Ländern bei über 60 Prozent.

Kleinere Länder wie Sachsen-Anhalt oder das Saarland haben in manchen Jahren 75 Prozent und mehr der neuen Stellen mit Juristinnen besetzt. Wie eine Auswertung in der Zeitschrift ‚Liberal‘ zeigt, gaben allerdings auch die größten Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern den männlichen Bewerbern oft einen Korb. 2014 waren 60,8 Prozent der neu eingestellten Kräfte in Bayern weiblich, in NRW sogar 63,1 Prozent.

Allmählich verändert sich so auch der Frauenanteil insgesamt. Schon jetzt sind in Hamburg und Berlin die Richterinnen und Staatsanwältinnen in der Mehrheit. Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein geben einen Frauenanteil von 47 Prozent an, die Justizsysteme der größeren Bundesländer NRW und Bayern kommen auf 46,1 beziehungsweise 43,1 Prozent.

Kanzleien haben das Nachsehen

Mit diesen Werten übertrifft die Justiz schon jetzt die Wirtschaftskanzleien deutlich. Der Frauenanteil in einer Gruppe von knapp 50 großen Sozietäten wuchs laut der letzten azur100-Ausgabe von 26,6 Prozent im Jahr 2010 auf immer noch magere 29,0 Prozent im Jahr 2014 an. Unterscheidet man die verschiedenen Karrierestufen, ist die Statistik noch ernüchternder. Nur knapp 10 Prozent der tonangebenden Vollpartner-Riege sind Frauen. Lediglich in der Gruppe der angestellten Anwälte ist der Frauenanteil mit 40,5 Prozent vergleichsweise hoch.

Ob aber die Arbeit in der Justiz tatsächlich so viel familienfreundlicher ist als in einer Kanzlei und die Attraktivität der staatlichen Posten dadurch gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt. Baden-Württemberg fühlte sich 2013 dazu veranlasst, die Zufriedenheit im Beruf und speziell die Vereinbarkeit von Karriere und Familie zu fördern. Das Justiz-Beförderungswesen mit karrieregünstigen Abordnungen an das Justizministerium oder an ein Oberlandesgericht verlangt hohen persönlichen Einsatz.

„Richterberuf nicht verklären“

Die neue BGH-Präsidentin Bettina Limperg sah im Interview mit azur keinen Anlass, das  Richteramt als familienfreundliche Alternative zur Kanzlei durchgehen zu lassen: „Das ist eher eine Verklärung des Richterberufes. Richter müssen sehr viel arbeiten. Sie setzen durchaus an Wochenenden und am Abend freie Zeit ein, um mit ihrem Pensum zurechtzukommen.“ Immerhin seien Teilzeit-Modelle leichter zu realisieren. (Markus Lembeck)

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