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30.06.2015 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Bundesfachschaftentagung: Vorschläge für eine bessere Juristenausbildung

Der Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften (BRF) hat auf seiner Jahrestagung in Kiel die derzeitige Juristenausbildung kritisiert und Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet. Themen waren unter anderem das Schwerpunktstudium, das Benotungssystem und der Ablauf der Praktika.

Der neue BRF-Vorstand: Ruben Rehr, Hannah Klumpp, Janwillem Van de Loo, Loredana Georgescu, Philip-Alexander Caspers und Hanna Kamm (nicht im Bild: Daniel Schlemann)Der neue BRF-Vorstand: Ruben Rehr, Hannah Klumpp, Janwillem Van de Loo, Loredana Georgescu, Philip-Alexander Caspers und Hanna Kamm (nicht im Bild: Daniel Schlemann)

Der neue BRF-Vorstand: Ruben Rehr, Hannah Klumpp, Janwillem Van de Loo, Loredana Georgescu, Philip-Alexander Caspers und Hanna Kamm (nicht im Bild: Daniel Schlemann)

Vehement setzten sich die Studierendenvertreter für die Beibehaltung wählbarer Schwerpunktbereiche im Jurastudium ein. Einige Universitäten hatten zuletzt überlegt, das 2003 eingeführte Schwerpunktstudium wieder abzuschaffen (mehr…). Dieses, so der BRF nun, sei aber nicht nur bei den Studierenden sehr beliebt. Schwerpunkte trügen außerdem zur wissenschaftlichen Tiefe, zur thematischen Vielfalt und zur Selbstbestimmung der Universitäten bei.

Weniger überzeugt waren die Fachschaftsmitglieder von der Einbettung der Schwerpunkte in den Studienablauf. Bislang absolviert der Juristennachwuchs zunächst den staatlichen Teil des Studiums und kann erst im Anschluss Schwerpunkte wählen, die von den Universitäten gestaltet werden. Der BRF setzt sich dafür ein, diese feste Abfolge aufzubrechen.

Freiraum für Praktika gefordert

Mehr Freiheiten fordern die Studierenden auch bei den praktischen Studienzeiten. Bisher müssen Praktika in den Semesterferien stattfinden – ungünstig für alle, die gleichzeitig Seminararbeiten schreiben oder schlicht ihren Lebensunterhalt verdienen wollen. Je nach Bundesland sind zudem bestimmte Bereiche vorgeschrieben, etwa Gericht oder Verwaltung. Die Fachschaftsvertreter regten stattdessen an, auch längere, studienbegleitende Praktika zu ermöglichen, die Auswahl der Inhalte zu erweitern und die Praktikumsphasen intensiver an der Universität vor- und nachzubereiten.

Einheitlichkeit wünscht sich der BRF dafür an anderer Stelle: Der Wildwuchs der unterschiedlichen Prüfungsordnungen zum Ersten Examen müsse ein Ende haben. Insgesamt sei die Benotung der Studien- und Prüfungsleistungen derzeit sowohl zu intransparent als auch zu undifferenziert.

BaFöG auch in der Prüfungsphase?

Ganz konkret wurden die Fachschaftler beim Thema BaFöG. Weil die Prüfungsphase bei Juristen nicht mehr in die Regelstudienzeit fällt, stehen viele Examinanten zusätzlich zum Prüfungsstress auch vor einem finanziellen Problem. Der BRF forderte darum, die Förderung zu verlängern.

Zugleich wählten die Fachschaftsvertreter einen neuen Vorstand. Der Hamburger Janwillem van de Loo löst als Vorsitzender Jonas Jousma von der Universität Bayreuth ab, neue stellvertretende Vorsitzende ist Hannah Klumpp aus Heidelberg. Der neue Vorstand will die Arbeit der Vorgänger, wie schon bisher üblich, nahtlos weiterführen.

Dem BRF gehörten bislang 38 der 43 deutschen Jura-Fachschaften an. Zusätzlich wurden auf der Bundestagung die Fachschaften der Universität Bremen, der Hanse Law School (Bremen/Oldenburg) und der Berliner Humboldt-Universität neu aufgenommen. (Norbert Parzinger)