Magazin-Artikel
26.05.2015 | Autor/in: Mathieu Klos

JUVE Insider: Macht Euch nichts vor!

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 1/2015

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 1/2015

Ein Kommentar von Parissa Kerkhoff (aus azur 1/2015).

Der Counsel-Status erfreut sich wachsender Beliebtheit in Wirtschaftskanzleien – sowohl die Generation Y als auch die Kanzleien erhoffen sich Vorteile: Die jungen Juristen wollen mehr Freiraum für ihr Privatleben, die Kanzleien möchten ihre Counsel möglichst gut auslasten. Schließlich spülen die angestellten, aber erfahrenen Anwälte viel Geld in ihre Kassen. Mandanten sind bereit, für Counsel mehr als für Associates zu bezahlen, solange sie günstiger als die Partner bleiben.

Eine Win-Win-Situation ist der Counsel dennoch nicht, denn die Counsel-Modelle vieler Kanzleien sind konfliktbeladen: in Bezug auf die zeitliche Auslastung, Umsatzerwartung und Akzeptanz in den eigenen Reihen. Die Welt der Wirtschaftskanzleien ist nun mal so gestrickt, wirklich zurücklehnen kann sich hier niemand. Das gilt auch für Counsel, die Privat- und Arbeitsleben besser unter einen Hut bringen wollen. Junge Juristen sollten sich darüber im Klaren sein, dass der Beruf als von Aufträgen ab­hängiger Wirtschaftsanwalt nur ­bedingt Zugeständnisse an das Privatleben zulässt. Auch das Counsel-Modell erfüllt nur begrenzt die Erwartungen der Generation Y.

Möglichst früh und genau, am besten schon im Bewerbungsgespräch, sollten sich junge Juristen über den Counsel-Status und andere Formen des sogenannten dritten Weges in der Kanzlei informieren. Das schließt die Aufnahmebedingungen, die Erwartungen und Erfahrungen innerhalb der Kanzlei mit dem Status ein. So merkt man schnell, wie ernst es der Kanzlei mit dem Status ist. Denn nicht unüblich ist es auch, dass ehrgeizige Juristen später auf der Counsel-Position geparkt werden, obwohl sie eine Partnerposition angestrebt haben. Die Warteschleife bringt quälende Erfahrungen mit sich und macht den Status in der Kanzlei unglaubwürdig. Denn alle – auch die „ehrlichen“ Counsel – werden dann voreilig zu Verlierern abgestempelt.

Unter diesen Umständen müssen sich die Kanzleien nicht wundern, wenn sie viele Counsel wider Willen in ihren Reihen haben. Und bei aller Beteuerung, dass die Generation Y nicht mehr viel auf den Partnerstatus gibt, hat sich die gesamte Branche noch nicht wirklich vom Statusdenken verabschiedet.

Beitrag zum Counsel-Status: Nichts Halbes und nichts Ganzes auf azur online