Magazin-Artikel
26.05.2015 | Autor/in: Marc Chmielewski

Die Frau im Blumentopf: Kartellrechtlerin Silke Möller im Porträt

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 1/2015

Ein Beitrag aus dem azur Karrieremagazin 1/2015

Mit einer Ringelblume hat Silke Möller wenig gemeinsam und doch wird sie häufig mit ihr in Verbindung gebracht. Das hat mit der Karriere der jungen Kartellrechtlerin zu tun, vor allem aber mit dem Humor ihrer Kanzlei Glade Michel Wirtz. Von Marc Chmielewski (aus azur 1/2015)

Ringelblumen gehören zu den sogenannten krautigen Pflanzen, sie neigen zum Verwildern. Einer ihrer Spitznamen lautet Arme-Leute-Safran, weil damit früher Speisen gelb gefärbt wurden. Silke Möller dagegen ist weder arm noch verwildert, im Gegenteil: Als Partnerin bei Glade Michel Wirtz dürfte die 38-Jährige finanziell ziemlich gut über die Runden kommen – die feine Gesellschafts- und Kartellrechtsboutique gehört zum Kreis jener Kanzleien, die schon Berufsanfängern fast 100.000 Euro im Jahr zahlen. Und Möllers Ausbildung und Karriere verliefen so geradlinig, dass man schon sagen muss: genau das Gegenteil von Wildwuchs. Trotzdem wird die Kartellrechtlerin ständig mit Ringel­blumen in Verbindung gebracht. Wie konnte das passieren?

Partnerin im Kartellrecht: Silke Möller von Glade Michel Wirtz.

Partnerin im Kartellrecht: Silke Möller von Glade Michel Wirtz.

Beruflicher Wendepunkt

Die Geschichte beginnt im Jahr 2007. Möller ist damals seit einigen Monaten Associate bei Taylor Wessing, sie ist 30 und bringt alles mit, was man braucht, damit internationale Großkanzleien den roten Teppich ausrollen: Prädikatsexamen, Auslandserfahrung, Stationen in mehreren Top-Sozietäten. Ihr Weg scheint vorgezeichnet.

Da weihen drei Kollegen, die sie bereits einige Jahre zuvor als Referendarin kennengelernt hatte, sie in einen abenteuerlichen Plan ein. Achim Glade, Arndt Michel und Markus Wirtz, damals alle Mitte 30 und noch nicht allzu lange Partner bei Taylor Wessing, wollen eine eigene Kanzlei gründen. Ob sie nicht mitmachen wolle?

Möller überlegt. Es gibt Freunde und Kollegen, die fragen: Bist du wahnsinnig? Du willst einen sicheren Job in einer angesehenen Kanzlei aufgeben, um in eine neu gegründete kleine Bude zu wechseln? Aber sicher. „Die drei machten ganz klar den Eindruck, dass sie das hinbekommen würden.“ Und man verstand sich eben sehr gut, auch das ist ja wichtig. An diesem beruflichen Wendepunkt folgt Möller ihrem Bauchgefühl. Das ist nicht selbstverständlich. Die reise­lustige Strategin, die gern akribisch plant und Urlaube bis zum letzten Inlandsflug in Südost­asien von zu Hause aus organisiert – sie geht in diesem entscheidenden Moment ein Wagnis ein. Und gewinnt.

Marketing-Gag

Glade Michel Wirtz gehört heute zu den angesehensten Kanzleien im Kartellrecht – und anders als in den Anfangstagen, als die Anwälte in schönster Start-up-Manier Billy-Regale zusammenschraubten und alles herrlich chaotisch war, auch zu den durchgestyltesten. Vom Lobby-Stuhl über die Filzuntersetzer bis zur Schale der Diensthandys ist alles auf die Firmenfarbe Orange ­getrimmt.

Und da kommt auch die Ringelblume mit ­ihren orangefarbenen Blättern ins Spiel. Als Möller 2013 Partnerin wurde, die erste Frau in einer Riege von mittlerweile neun Männern, bewarb die Kanzlei ihr Eigengewächs stolz mit einer Karikatur der Schweizer Illustratorin Anoushka Matus: Möller in einem Blumentopf, Markus Wirtz als Gärtner. Slogan, natürlich im Firmen-Orange: Wer Associates sät, wird Partner ernten. Gag hin oder her – Möller war schon wichtig, dass es nicht so rüberkommt, als habe hier ein arrivierter Seniorpartner gönnerhaft ein zartes Pflänzchen gepäppelt. Deshalb steht Möller ­kerzengerade, die Hände keck in die Hüften gestemmt, während Wirtz mit angejahrtem Gießkannenmodell und hängender Schulter einen extrem bescheidenen Gärtner abgibt.

Auch aus dieser Bildsprache entsteht die Komik, die die Aktion zu einem Marketing-Coup machte. ­Möller wird seitdem nicht selten begrüßt mit: „Ach, Sie sind doch die Frau aus dem Blumentopf!“ Die Ringelblume steht übrigens auch für Lebenslust und Unvergänglichkeit, was viel schöner ist als die völlig unheilkrautigen Produkte Wurst, Mehl und Süßigkeiten, die Möller zuletzt kartellrechtlich beschäftigten. Dass sich das alles einmal so schön fügen würde, hätte wahrscheinlich nicht einmal sie als Top-Planerin so planen können. –