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28.04.2015 | Autor/in: Norbert Parzinger

Trendwende in Kanzleien: Frauenanteil an Neueinstellungen 2014 leicht gestiegen

Nach dem deutlichen Rückgang im Vorjahr haben die deutschen Wirtschaftskanzleien 2014 wieder mehr Frauen eingestellt. Wie eine azur-Erhebung bei rund 150 Kanzleien ergab, waren genau 40 Prozent der Berufseinsteiger weiblich. Der Frauenanteil auf Associate-Level insgesamt blieb damit stabil bei ebenfalls rund 40 Prozent.

2013 hatten die deutschen Kanzleien insgesamt rund sechs Prozent weniger Berufseinsteiger eingestellt, ein Rückgang, der damals ausschließlich zu Lasten der Frauen ging (mehr…). 2014 sank die Zahl der neu eingestellten Absolventen insgesamt erneut um etwa fünf Prozent (mehr…), zugleich allerdings stieg der Frauenanteil an den Neueinstellungen von rund 37 auf 40 Prozent. In puncto Chancengleichheit scheint damit für den Moment eine bescheidene Trendwende geschafft.

Unter den Kanzleien, die zuletzt besonders große Fortschritte bei weiblichen Absolventen machten, waren unter anderem GSK Stockmann + Kollegen und Taylor Wessing. Bei GSK waren 2010 bis 2013 durchschnittlich rund 43 Prozent der Berufseinsteiger weiblich – im Marktvergleich bereits ein überdurchschnittlicher Wert. 2014 nahm die Kanzlei fast zwei Drittel Frauen neu auf. Taylor Wessing stellte zuletzt 56 Prozent weibliche Associates ein, in den vier Vorjahren waren es im Mittel nur knapp 38 Prozent.

Noch deutlicher fiel der Fortschritt bei Heisse Kursawe Eversheds und Milbank Tweed Hadley & McCloy aus. HKE lag 2010 bis 2013 mit knapp 44 Prozent Frauenanteil an den Neueinstellungen ebenfalls bereits gut im Rennen. 2014 stellte die Kanzlei neben einem männlichen Berufseinsteiger nicht weniger als zehn neue Kolleginnen ein. Milbank dagegen hatte über die Vorjahre im Schnitt gerade einmal zehn Prozent Frauen rekrutiert. 2014 waren unter elf Berufseinsteigern immerhin drei Frauen.

Massiv hinter ihren vergangenen Erfolgen bei weiblichen Bewerbern zurück blieben dagegen Clifford Chance und Luther. Beide hatten 2010 bis 2013 im Durchschnitt knapp 43 Prozent Frauen engagiert. Im letzten Jahr sank diese Quote bei Clifford auf rund 30, bei Luther sogar auf genau 20 Prozent. Auch Ashurst und Mayer Brown fielen in der Gunst von Bewerberinnen massiv ab. Diese Kanzleien waren in den Vorjahren mit 38 und 44 Prozent  Frauenanteil an den Neueinstellungen nicht weit vom Marktdurchschnitt entfernt. 2014 entschied sich neben sieben Männern nur eine Frau für Mayer Brown, bei Ashurst lag das Verhältnis bei 13 zu 2.

Gerade die größeren Kanzleien haben sich über die vergangenen Jahre bemüht, ihre interne Vielfalt zu verbessern und Frauen stärker als bisher auf ihrem Karriereweg zu unterstützen, etwa durch spezielle Coachings. Einzelne Kanzleien, darunter Hogan Lovells und Ashurst, riefen sogar eine Frauenquote für die Equity-Partnerschaft aus. Die jüngsten Rekrutierungserfolge und -misserfolge haben darum auch für die Zukunft Bedeutung, schließlich dürfte ein begrenzter Pool an möglichen Partnerkandidatinnen diesen Zielen in den nächsten Jahren im Wege stehen. Im Marktdurchschnitt liegt der Frauenanteil auf Equity-Partnerebene seit etlichen Jahren konstant bei kläglichen zehn Prozent. (Norbert Parzinger)