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23.04.2015 | Autor/in: Norbert Parzinger

Bewerber sind skeptisch: Syndikus-Karriere wird zum Ladenhüter

Immer weniger Nachwuchsjuristen wollen ihre Karriere in einer Rechtsabteilung starten. Wie die aktuelle azur-Bewerberumfrage zeigt, laufen Kanzleien und der Staatsdienst den Unternehmen im Wettbewerb um die besten Köpfe immer stärker den Rang ab. Besonders deutlich ging das Interesse der weiblichen Absolventen an einer Inhouse-Karriere zurück.

Schon seit Jahren sinkt die Zahl der Studenten, Referendare und Assessoren, die ihre Karriere in Unternehmen starten wollen. Wünschten sich 2010 noch 21 Prozent der Teilnehmer der alljährlichen azur-Bewerberumfrage einen Job in einem Unternehmen, waren es 2014 gerade noch 13,8 Prozent. Stattdessen will inzwischen wieder eine Zweidrittelmehrheit bei einer Kanzlei einsteigen, und auch der öffentliche Dienst ist mittlerweile an den Unternehmen vorbeigezogen.

Besonders deutlich verabschiedeten sich – auf den ersten Blick überraschend – junge Frauen vom Wunsch nach einer Inhouse-Karriere. Schließlich gelten gerade die größeren Rechtsabteilungen als bessere Adressen für Juristinnen als die meisten Kanzleien, nicht zuletzt aufgrund unternehmenspolitischer Vorgaben zur Frauenförderung.

Berufseinstieg

Bestätigt wird das Urteil der Berufseinsteiger auch von berufserfahrenen Inhouse-Juristen. Das Bild, das sie in der azur-Associateumfrage 2014 zeichnen, fällt für die Unternehmen im Durchschnitt gerade beim Thema Weiterbildung nicht besonders schmeichelhaft aus. Im unmittelbaren Vergleich mit Kanzleien, Beratungsgesellschaften und dem öffentlichen Dienst liegen die Unternehmen hinten.

Bei der Frage nach Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance sieht es für die Unternehmen nur marginal besser aus. Zwar schneiden sie hier besser ab als Kanzleien, müssen sich jedoch dem öffentlichen Dienst in diesen Punkten ebenso klar geschlagen geben wie hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Für die Chancengleichheit von Frauen und Männern erhalten die Kanzleien inzwischen ähnlich gute Noten von ihren Mitarbeitern wie die Unternehmen. Deutlich besser schneidet auch hier der öffentliche Dienst ab.

Als Arbeitgeber für junge Top-Juristen sitzen die Unternehmen damit zwischen allen Stühlen: Wer eines Tages Karriere machen will, lässt sich lieber in einer Kanzlei ausbilden, den oft minimalen Chancen auf eine Partnerernennung zum Trotz. Wem vor allem Freizeit und Familie wichtig sind, wird im Staatsdienst glücklicher. (Norbert Parzinger)