News
10.04.2015 | Autor/in: Norbert Parzinger

Berufseinsteiger: Personalbedarf der Kanzleien sinkt weiter

Freie Stellen für Berufsanfänger bei deutschen Wirtschaftskanzleien werden 2015 erneut weniger. Wie eine azur-Erhebung bei 150 Kanzleien zeigt, liegt der Personalbedarf um rund fünf Prozent niedriger als 2014. Alle befragten Kanzleien gemeinsam bieten im laufenden Jahr knapp 2.000 freie Stellen, im Vorjahr waren es noch 100 mehr. Von 2013 auf 2014 war die Zahl der geplanten Neueinstellungen bereits um etwa sechs Prozent gesunken – der erste Rückgang seit dem Krisenjahr 2010. 

Personalbedarf und Einstellungsverhalten von Kanzleien haben sich mit den Jahren deutlich verändert. Für 60 Kanzleien, darunter die meisten größeren Einheiten im Markt, liegen azur die entsprechenden Zahlen seit 2009 vor. Demnach hatten diese Kanzleien nach einem krisenbedingten Einbruch 2010 zunächst alljährlich mit mehr Berufseinsteigern gerechnet. Bis 2013 stieg die Zahl der geplanten Neueinstellungen um insgesamt 38,5 Prozent. Dieser Höhenflug ist allerdings definitiv beendet. Inzwischen liegt die Prognose von gut 1.400 Neueinstellungen wieder knapp unter dem Stand von 2011.

Neueinstellungen in Kanzleien

Nicht den Wunsch, sondern die Wirklichkeit spiegeln die tatsächlichen Neueinstellungszahlen aus den letzten sechs Jahren wider. Wie diese Statistik zeigt, war der Nachholbedarf der meisten Einheiten schon spätestens 2012 gedeckt. Seitdem haben die Kanzleien jedes Jahr etwas weniger Berufsanfänger eingestellt als zuvor. Auch 2014 nahm die Zahl der frisch engagierten Nachwuchsjuristen um knapp fünf Prozent ab, obwohl viele Kanzleien gleichzeitig spürbare Umsatzsteigerungen erzielen konnten.

Der Personalbedarf der von azur befragten Rechtsabteilungen blieb 2015 nach einem Plus von knapp fünf Prozent im Vorjahr praktisch unverändert. Dies dürfte sich im kommenden Jahr fortsetzen: Wie eine weitere JUVE-Umfrage bei über 400 Inhouse-Verantwortlichen in den Bereichen Recht, IP, Compliance und Steuern ergab, planen 52 Prozent der Befragten für 2015 und 2016 keine Neueinstellung von Berufsträgern. Nur 28 Prozent der Befragten wollen gegebenenfalls zusätzliche Berufsträger anheuern, 20 Prozent sind sich noch nicht sicher. (Norbert Parzinger)