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26.03.2015 | Autor/in: JUVE Student

Karriere in der Kanzlei: Partnerschaft nein danke

Die Partnerschaft ist nur noch für eine kleine Minderheit von Associates ein lohnendes Ziel. Alternativen sind theoretisch in vielen Kanzleien längst vorhanden, doch in der Realität sitzen Anwälte auf diesen Positionen oft zwischen allen Stühlen.

Wie die aktuelle azur-Associateumfrage zeigt, würden insgesamt gut 40 Prozent der Teilnehmer für mehr Freizeit oder eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie den Arbeitgeber wechseln. Auch anspruchsvollere Arbeit ist ihnen wichtig. Bessere Aufstiegschancen haben dagegen nur für 16,7 Prozent Priorität. Die Partnerschaft als oberstes Karriereziel nennen sogar nur noch 15,6 Prozent.

Kehrseiten im Blick

Mit zunehmender Erfahrung steigt zwar der Anteil der jungen Juristen, die in ihrer Kanzlei die Partnerschaft anstreben. Doch selbst im sechsten Berufsjahr, wenn in vielen Kanzleien die Aufnahme in den Partnerkreis konkret wird, gibt nicht einmal ein Drittel der Befragten als oberstes Ziel die Partnerschaft an. 

Viele Großkanzleien stellen jährlich bis zu 100 Berufseinsteiger ein, Neupartner werden davon nur eine Handvoll. Die realen Aufstiegschancen lassen sich leicht ausrechnen. Dazu kommt, dass der Partnerstatus häufig auch eine Kehrseite hat: Die Restrukturierungsrunden der letzten Jahre, in denen einige Kanzleien langjährige Partner wegen nachlassender Umsätze aus der Riege der Vollpartner drängten, haben gezeigt, dass der Leistungsdruck mit der Partnerernennung oft erst richtig losgeht. Auch die Frage nach der Gesellschafterhaftung wird zunehmend akut.

Alternative Karrieremodelle oft wenig überzeugend

Wichtiger als die Partnerchancenist den Associates zum Beispiel ein ordentliches Gehalt, eine gute Ausbildung sowie eigenverantwortliche, interessante Arbeit. Mit steigender Erfahrung  gewinnen die Aufstiegschancen und das Gehalt gegenüber Freizeit und Familie an Bedeutung. Eine dauerhafte Anstellung als Counsel, Senior Associate oder Salary-Partner sind die Lösungen der Kanzleien um erfahrene Anwälte auch ohne Gesellschafterstatus zu halten.

Doch der dauerhaften Anstellung fehlt es oft an einer genauen Definition von Status und Anforderungen. Etliche Counsel müssen hohe Umsatzziele erfüllen und administrative Aufgaben erledigen. Viele klagen außerdem über mangelnde Wertschätzung. Auch die Kanzleien selbst sind mit den alternativen Karrieremodellen nur selten zufrieden. Viele bezweifeln, dass Counsel, Salary-Partner oder Senior Associates auf Dauer motiviert bleiben und das Geschäft mit vorantreiben werden. (Norbert Parzinger, Parissa Kerkhoff, Anika Verfürth)

Mehr über die Ergebnisse der azur-Associateumfrage hier.

Ein ausführlicher Beitrag zum Counsel-Status in Kanzleien in Ausgabe 3/2015 von JUVE Rechtsmarkt.