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20.03.2015 | Autor/in: JUVE Student
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Einstiegsgehälter: Zufriedenheit trotz Stagnation

Die Einstiegsgehälter für Wirtschaftsjuristen steigen trotz Rekordumsätzen kaum, die Zufriedenheit der Associates mit ihren Gehältern ist gestiegen: Offensichtlich ist das Gehalt als Argument für Berufseinsteiger ausgereizt.

Die Einstiegsgehälter deutscher Wirtschaftskanzleien stiegen 2014 laut der jährlichen azur-Erhebung bei über 200 Wirtschaftskanzleien gegenüber dem Vorjahr gerade einmal um 0,77 Prozent. Zum Vergleich: Die Nominallöhne der Bundesbürger legten im gleichen Zeitraum laut Statistischem Bundesamt um 2,6 Prozent zu. Rechnerisch gleicht die Steigerung der Associategehälter damit nicht einmal mehr die Inflationsrate aus.

Fotolia/Romolo Tavani

Allerdings haben die hochqualifizierten Einsteiger auch nur wenig Grund zum Klagen. Denn inzwischen bezahlen 50 Kanzleien ihren jüngsten Associates im ersten Berufsjahr sechsstellige Festgehälter. Top-Verdiener sind die Berufseinsteiger bei der US-Transaktionskanzlei Milbank Tweed Hadley & McCloy mit 125.000 Euro. Im Durchschnitt aller befragten Kanzleien verdient ein Berufseinsteiger derzeit 74.900 Euro. Laut azur-Associateumfrage sind die Associates insgesamt mit ihrer Bezahlung zufriedener als im Vorjahr.

Bei den Spitzenzahlern handelt es sich häufig um kleinere Einheiten. In absoluten Zahlen kommen deshalb nur wenige Nachwuchsjuristen in den Genuss der Top-Gehälter. Milbank zum Beispiel will 2015 zehn Absolventen einstellen, ähnlich sieht es bei anderen Spitzenzahlern aus. Insofern nehmen Kanzleien wie Freshfields und Linklaters mit einem Fixgehalt von 100.000 Euro und 85 beziehungsweise 70 Neueinstellungen wesentlich mehr Geld in die Hand.

Kanzleiumsätze steigen

Die meist positive Geschäftsentwicklung der Kanzleien im Geschäftsjahr 2013/14 wird nicht an die jungen Berufsträger weitergegeben. Die größten 75 Kanzleien setzten im vergangenen Geschäftsjahr zusammen rund 4,5 Milliarden Euro um. Diese Ergebnisse zeigen bis heute kaum einen Effekt auf die Gehälter. Die aktuelle Steigerung der Associategehälter um 0,77 Prozent erklärt sich dadurch, dass einige Kanzleien als Nachzügler ihre Einstiegsgehälter nach oben hin anpassten.

Die meisten Sozietäten, die 100.000 Euro und mehr im ersten Jahr bezahlen, sind Transaktionskanzleien, wie etwa Milbank oder Sullivan & Cromwell. Die hohen Gehälter hängen mit der vom Projektgeschäft geprägten Arbeit, unkalkulierbaren Arbeitszeiten und schlechten Partnerperspektiven zusammen. Sehr hohe Gehälter bezahlen auch eine Reihe spezialisierter Boutiquen.

Mit Jones Day, Baker & McKenzie und SZA Schilling Zutt & Anschütz finden sich nur drei Industriekanzleien im Kreis der Top-Bezahler wieder. Mit weniger hochkarätigem Projektgeschäft und mehr laufender Beratung von Industriemandanten liegt ihre Produktivität meist unterhalb der von Transaktions- und Spezialkanzleien.

Die kleineren Kanzleien – vor allem die Rundumberater für den Mittelstand – bieten Gehälter unterhalb des Marktdurchschnitts. In Reichweite der 100.000 Euro kommen nur wenige. Mit Schelling & Partner zahlt laut azur-Erhebung nur eine einzige Kanzlei aus diesem Kreis bis zu 95.000 Euro. Die Gehaltsbänder vieler Mittelstandskanzleien sind sehr breit. Je nach Qualifikationen können Berufsanfänger in ein- und derselben Sozietät mehrere 10.000 Euro mehr oder weniger verdienen.

Neue Wege

Eine innovative Idee für den Karriereweg gibt es bei Baker. Mit dem neuen Alternative-Career-Track führt der Weg statt in die Partnerschaft in eine dauerhafte Anstellung mit deutlich niedrigerer Bezahlung. Ob aus dieser internen Segmentierung ein Trend wird, bleibt abzuwarten. Aus Sicht der Partner spräche einiges dafür. Je mehr die Associates in der Summe verdienen, desto weniger Gewinn können die Partner entnehmen. Die Folge ist eine Entwicklung zur leistungsbezogenen Vergütung: Es wird ein hohes erstes Jahreseinkommen gezahlt, in den Folgejahren gibt es dann keine automatischen Gehaltserhöhungen mehr.

Von den Unternehmen und Beratungsgesellschaften können nur Siemens, BMW und McKinsey mit den Top-Gehältern der Kanzleien konkurrieren. Insgesamt stagnieren die Juristengehälter in den Unternehmen, nur wenige erhöhten 2014 ihre Einstiegssaläre. Unabhängig vom Berufsjahr erhielten Syndizi ohne Führungsverantwortung im letzten Jahr durchschnittlich rund 71.000 Euro fix. Genau wie die Kanzlei-Associates bewerteten junge Syndizi in der azur-Umfrage ihre Gehälter positiver als im Vorjahr. (Mathieu Klos, Norbert Parzinger, Anika Verfürth)

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