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27.01.2015 | Autor/in: Markus Lembeck

Heidelberg: Interdisziplinäres Forschungsprojekt zu Compliance

Mit Unterstützung der Volkswagen-Stiftung widmet sich ein Forscherteam der Universität Heidelberg der wirksamen Verhinderung von Korruption in Medizin und Wirtschaft. Soziologen, Kriminologen und Rechtswissenschaftler untersuchen dabei die Erfolge und Misserfolge von externer Regulierung und Selbstregulierung.

„Zwar gibt es zur Bekämpfung von Korruption und Manipulation in Wirtschaft und Medizin auf der Ebene der Organisation bereits seit einigen Jahren einen Regulierungsboom, die gewünschte Wirkung bleibt aber offenbar aus“, beschreibt der Projektleiter, Soziologieprofessor Dr. Markus Pohlmann, den Ansatz. Im Rahmen des Projekts wollen die Heidelberger Wissenschaftler daher untersuchen, warum die angestrebten Effekte nicht eintreten und welche wirksamen Möglichkeiten der Korruptionsbekämpfung es gibt. Die Volkswagen-Stiftung unterstützt das auf drei Jahre angelegte Forschungsvorhaben mit 865.000 Euro.

Compliance in der Medizin: Heidelberger Forscher untersuchen Manipulationsgefahren.

Compliance in der Medizin: Heidelberger Forscher untersuchen Manipulationsgefahren.

„Trotz zunehmender Bedeutung von staatlichen und internationalen Regelungen sowie der Einrichtung von Compliance-Abteilungen werden immer wieder Fehlverhalten und Skandale bekannt. Die Maßnahmen erzielen offenbar nicht die erhoffte Wirkung“, erklärt Pohlmann. Basierend auf den Erfahrungen, die Unternehmen bisher mit Compliance-Maßnahmen gesammelt haben, werden die Wissenschaftler vor allem neue Felder des wissenschaftlich-technischen Fortschritts wie die Organtransplantation in den Blick nehmen.

An dem Projekt sind außerdem die Professoren Dr. Gerhard Dannecker vom Institut für deutsches, europäisches und internationales Strafrecht und Strafprozessrecht sowie Dr. Dieter Dölling und Dr. Dieter Hermann vom Institut für Kriminologie beteiligt. Für ihre Untersuchungen werden die Wissenschaftler die Erfahrungen vergleichen, die deutsche und US-Organisationen mit Regulierung und Selbstregulierung gemacht haben. Dabei geht es beispielsweise um den Foreign Corrupt Practices Act (FCPA) und das United Network of Organ Sharing (UNOS). Die Ergebnisse sollen unter anderem bei der ethischen Neubewertung der medizinischen und rechtlichen Aspekte der Organvergabe Anwendung finden.

Compliance wird an immer mehr Hochschulen zum wissenschaftlichen Untersuchungsgegenstand. Erst Ende letzten Jahres eröffnete die EBS Law School dazu ein Forschungszentrum. (Markus Lembeck)

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