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27.01.2015 | Autor/in: Markus Lembeck
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Dortmund: Strafprozess um Kanzleikette JuraXX beginnt

Knapp acht Jahre nach der Insolvenz der Kanzleikette JuraXX beschäftigt der Fall endlich die Strafgerichte. Eine eigens für den Fall eingerichtete Hilfsstrafkammer am Landgericht Dortmund lehnten die Verteidiger der beiden Angeklagten beim Prozessauftakt als unzuständig ab.

Verteidiger: Benedikt Pauka von der Kanzlei Pauka von Dreden & Link.

Verteidiger: Benedikt Pauka von der Kanzlei Pauka von Dreden & Link.

Der Essener Anwalt Eugen Boss hatte 2003 die JuraXX Eugen Boss Rechtsanwaltsgesellschaft gegründet. Unter dieser Marke bot die Kette über ein Franchisesystem anwaltliche Dienstleistungen zu einem besonders günstigen Preis an. Binnen weniger Jahre entstanden dabei über 30 Niederlassungen in ganz Deutschland. 2007 musste die Kette allerdings Insolvenz anmelden.

Ermittlungen seit 2007

Die Staatsanwaltschaft Dortmund leitete daraufhin Ermittlungen gegen geschäftsführende Gesellschafter ein, darunter Firmengründer Boss. Trotz der sich abzeichnenden Zahlungsunfähigkeit hätten die Ex-Manager weiterhin neue Anwälte angeworben, hieß es. Diese mussten jeweils 50.000 Euro Einlagen leisten, welche als Partnerdarlehen deklariert waren.

Ende 2010 ließ das LG Dortmund die Anklage gegen Boss und den früheren Finanzvorstand von JuraXX wegen Betrugs in mehreren Fällen zu. Boss wurde zusätzlich Bankrott in drei Fällen zur Last gelegt. Beim Prozessauftakt äußerten sich die beiden Angeklagten nicht zu den Vorwürfen.

Verteidiger lehnen Hilfsstrafkammer ab

Dafür erhoben ihre Verteidiger, Julia von Dreden und Benedikt Pauka von der Kölner Kanzlei Pauka von Dreden & Link, eine umfassende Besetzungsrüge. Demnach sei das Verfahren über drei Jahre hinweg von der eigentlich zuständigen 33. großen Strafkammer nicht gefördert worden, weil diese dauerhaft überlastet sei. Die Anwälte wollen erreichen, dass die eigens für den Komplex eingerichtete Hilfsstrafkammer für unzuständig erklärt wird. Eine Entscheidung des LG Dortmund steht noch aus.

Die Angeklagten dürften sich durch die abgewehrten Schadensersatzklagen ehemaliger JuraXX-Anwälte bestärkt sehen. Zuletzt hatte das OLG Hamm 2013 in letzter Instanz bestätigt, dass die Kläger keine deliktischen Ansprüche gegen Boss und den Ex-Finanzvorstände geltend machen konnten. Daraufhin hatten die Kläger ihre Berufung zurückgenommen. Die Marke JuraXX Rechtsanwälte besteht jedoch bis heute. Zwei ehemalige Niederlassungen in Essen und Bochum führen die Marke weiter in ihrem Namen. (Marcus Jung)