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24.10.2014 | Autor/in: Marc Chmielewski
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Unter Grizzlies

Unter Grizzlies: Beitrag aus azur 2/2041

Unter Grizzlies: Beitrag aus azur 2/2041

Regelmäßig rühmen Rankings die Lebensqualität kanadischer Metropolen. Aber nicht nur leben, sondern auch lernen lässt es sich dort gut. Kanadische LL.M.-Abschlüsse sind in deutschen Kanzleien gern gesehen – und im Vergleich zu US-Abschlüssen günstig. Von Marc Chmielewski (aus azur 2/2014)

Was haben Sie eigentlich gegen Kanada?“ Als sein Professor ihn das fragte, Mitte der 1980er-Jahre, war Stefan Rizor noch Jurastudent in Würzburg. Der heutige Osborne Clarke-Partner wollte einen LL.M.-Abschluss machen, er suchte die passende Uni. Er schlug seinem Professor Harvard vor. „Ach, da wollen sie alle hin“, sagte der. Dann schlug Rizor Miami vor – nicht wegen der glänzenden Juristenausbildung, sondern vor allem, weil er die Serie ‚Miami Vice‘ so cool fand. Da kam die Frage des Professors nach Kanada. Rizor hatte überhaupt nichts gegen Kanada. Es war ihm einfach nicht in den Sinn gekommen.

Kein Geheimtipp mehr

Das dürfte heute vielen Nachwuchsjuristen anders gehen. Denn Kanada ist längst kein Geheimtipp mehr. Es ist nicht nur die Heimat der Grizzlies und Biber, wo die Niagarafälle rauschen und raue Gesellen in unend­lichen Wäldern dicke Bäume fällen. Kanada ist heute vor allem ein Hochtechnologieland, unter anderem hat hier der Smartphone-Pionier Blackberry seine ­Heimat. Rizor entschied sich letztlich für die Universität McGill in Montreal – damals einigermaßen exotisch, heute absolut anerkannt (nützliche Links).

Auf Tuchfühlung mit Asien: Für Luther-Personalchef Torsten Schneider ist auch der hohe Anteil asiatischer Studenten ein Pluspunkt für Kanada.

Auf Tuchfühlung mit Asien: Für Luther-Personalchef Torsten Schneider ist auch der hohe Anteil asiatischer Studenten ein Pluspunkt für Kanada.

Absolventen loben das hohe Niveau der juristischen Ausbildung an kanadischen Law Schools, die Internationalität. Und auch die sonstigen Vorzüge des Landes sind ein Lockruf für Studenten aus aller Welt: Metropolen wie Vancouver und ­Toronto finden sich in internationalen Rankings zur Lebensqualität dank ihres großen Freizeit- und Kulturangebots, der niedrigen Kriminalitätsrate und der ­hervorragenden Bildungseinrichtungen regelmäßig auf den vorderen Plätzen.

„Diese Rankings und Veranstaltungen wie die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver tragen auch zur Beliebtheit als Studienort bei“, sagt Rizor (lesen Sie dazu das Interview LL.M. aus Kanada – günstig, aber gut). „Wir spüren das deutlich bei unseren Referendaren: Auf einmal wollen viel mehr von ihnen nach Vancouver, weil sie im Fernsehen gesehen haben, was das für eine tolle Stadt ist.“

Auch aus Sicht von Kanzleien spielt bei LL.M.-Absolventen nicht nur das Fachliche eine Rolle. „Sie haben interkulturelle Kompetenzen erworben. Das erleichtert die Arbeit in global operierenden Sozie­täten“, sagt Torsten Schneider, Leiter Human ­Resources bei Luther. Studienländer wie Kanada seien in dieser Hinsicht besonders interessant, weil dort häufig der Anteil asiatischer Studenten sehr hoch ist. Entsprechend groß ist der Lerneffekt im Umgang mit anderen Kulturen. „Das fällt umso mehr ins Gewicht, als der asia­tische Markt für international ausgerichtete Kanzleien ständig an Bedeutung gewinnt.“

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