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24.10.2014 | Autor/in: Eva Flick
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Sie wollen nur spielen

Sie wollen nur spielen: Beitrag aus azur 2/2014

Sie wollen nur spielen: Beitrag aus azur 2/2014

Jedes Jahr drängeln sich Menschenmassen über die Gamescom. Das bunte Branchenevent hat viele Fans und längst seine Nische verlassen. Auch für Anwälte ist die Kölner Messe ein fixer Termin im Kalender. Von Eva Flick (aus azur 2/2014)

Notruf für Sebastian Castellano, Massenmord in einer Nervenklinik. Antikmöbel in der Eingangshalle, dunkles Holz, dicke Türen, das Gebälk knarzt. Irgendetwas grunzt dumpf hinter der Wand. Ein reißender Strom aus Blut spült Castellano in ein Kellergewölbe. Nach dem Sturz schwächelt seine Lebensleiste, seine Waffen haben­ an Wirkung verloren. Eben noch niedergemetzelte Gegner stehen wieder auf. Untote, sie wanken auf ihn zu, die zerfetzten Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Castellano bleiben nur noch Streichhölzer, aber auch die sind begrenzt. Sein Einsatz droht zu scheitern. Ein Albtraum, gemacht für Spieler ab 18.

The Evil within

Exit. Das Spiel ist vorbei, die neunte Szene von „The Evil within“ beendet. Drei Freunde aus Kassel, die diesen Albtraum gerade erleben durften, sind begeistert. „Wahnsinn“, entfährt es dem einen, „irre“ dem anderen, während der Dritte schon den nächsten Stand ins ­Visier nimmt. „Jetzt rüber zu Ubisoft.“ Dort wartet der nächste Schocker mit dem sperrigen Titel „Assassin’s Creed Unity“. Die Wartezeit beträgt zurzeit 150 Minuten. Egal.

Auch „Assassin’s Creed Unity“ ist nichts für schwache Nerven und ein weiterer Publikumsmagnet auf der diesjährigen Gamescom. Die Messe für interaktive Spiele findet jedes Jahr im August in Köln statt. „The Evil within“ lockt Besucher mit einem überdimensionalen Werbeplakat. Es ziert eine mit Stacheldraht umwickelte schmutzige Hand, gekrümmte Finger zerkratzen den Kalk der weißen Wand. Daneben der Kommentar des Fachmagazins Gamespro „So viel Angst hatte ich schon lange nicht mehr“.

Riesige Fangemeinde

Doch nicht nur die Macher von „The Evil within“ und „Assassin’s Creed Unity“ buhlen um die Gunst der Besucher. Die „Entertainment Area“, in der die Unternehmen ihre neuesten Spiele präsentieren, erstreckt sich über vier Hallen. Auf der Gamescom konzentriert sich eine ganze Branche samt ihrer wachsenden Fangemeinde.

1,82 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2013 für Computer und Videospielsoftware aus. Und die Halbjahreszahlen 2014 legen nahe, dass der Aufwärtstrend ungebrochen ist (→Wachsender Gamesmarkt, Seite 75). 320 Unternehmen entwickeln und vermarkten hierzulande interaktive Spiele. Internationale Publisher wie ­Sony, Electronic Arts und Ubisoft bestimmen in Deutschland schon seit Jahren den Markt. Und auch die deutschen Wettbewerber Bigpoint, Wooga und Gameforge genießen internationale Bekanntheit und verkaufen ihre Spiele in mehr als 50 Länder.

Grellbunte Bühnenshow

In Köln schieben sich während der fünf Messetage 335.000 Besucher aus 88 Ländern durch die Hallen. Während sie stundenlang ausharren, um Spiele zu testen, die erst im Herbst auf den Markt kommen, dient die Gamescom den Herstellern aus aller Welt und ihren Anwälten als der Branchentreffpunkt.

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