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24.10.2014 | Autor/in: Marc Chmielewski
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Interview: LL.M. aus Kanada – günstig, aber gut

Stefan Rizor (53, Foto) ist Partner bei Osborne Clarke in Köln. Als er 1989 seinen Master of Laws an der McGill University in Montreal erworben hat, waren ­deutsche LL.M.-Studenten in Kanada noch ziemlich exotisch.

Die Beliebtheit der kanadischen Universitäten habe unter deutschen Juristen aber zuletzt stark zugenommen, sagt Rizor. Als Vorsitzender der Kanadisch-Deutschen Juristenvereinigung ist ihm der akademische Austausch zwischen beiden Ländern eine Herzensangelegenheit.

 

azur: Warum sollte man seinen Master of Laws in Kanada erwerben?

Stefan Rizor: Die Hochschulen sind genauso gut wie die in den USA oder Großbritannien, aber längst nicht so teuer. Sie legen extrem viel Wert auf Internationalität, was nicht selbstverständlich ist. Es gibt etwa Hochschulen in Australien oder Neuseeland, wo der Anteil deutscher Jura-Studenten so hoch ist, dass die da eher andere deutsche Dialekte kennenlernen als die englische Sprache.

Dagegen ist es zum Beispiel an der McGill University in Montreal so, dass aus Prinzip nur zwei deutsche Studenten pro Jahrgang zugelassen werden. Die treffen dort auf Kanadier, Chinesen, Brasilianer – eben alle möglichen Nationalitäten, weil die Uni diese Internationalität bewusst fördert.

azur: Sind LL.M.-Programme eher karrierefördernde Intensivkurse für angehende Wirtschaftsanwälte, oder werden auch dicke akademische Bretter gebohrt?

Die Ausrichtung der LL.M.-Studiengänge ist generell schon akademisch. In Kanada ist ein LL.M.-Studium der erste Schritt auf dem Weg zur Professur, denn eine Habilitation wie in Deutschland gibt es nicht. Für Gaststudenten aus anderen Ländern steht aber sicherlich die Verbesserung der Englischkenntnisse im Vordergrund, vor allem was das juristische Fachvokabular angeht.

Wer mag, kann auch sein Französisch aufpolieren, denn an vielen Universitäten werden beide Sprachen gesprochen. Fachlich gibt es meist einen Pflichtkanon für alle und frei wählbare Kurse zu Spezialthemen.

azur: wird ein LL.M.-Abschluss aus Kanada ­genauso gern gesehen wie einer aus den USA oder ­Großbritannien?

Interview aus azur 2/2041

Interview aus azur 2/2041

Absolut. Wobei für Kanzleien nicht unbedingt entscheidend ist, in welchem Land ein LL.M. erworben wurde, sondern an welcher Uni. In Kanada gibt es bei der Juristenausbildung eine Gruppe der Big Five: In Montreal McGill und die französischsprachige Université de Montréal, die University of Toronto, die University of British Columbia in Vancouver und die Dalhousie University in Halifax. Zuletzt hat auch Osgoode in Toronto in Rankings aufgeholt. Dass das LL.M.-Studium an diesen Hochschulen ein hohes Niveau hat, hat sich in deutschen Kanzleien längst herumgesprochen.

Das Gespräch führte Marc Chmielewski (aus azur 2/2014)

 

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