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24.10.2014 | Autor/in: Désirée Balthasar
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Hoch hinaus

(Fortsetzung)

Fünf Jahre zuvor, im siebten Fachsemester, wollte sich Al-Wraikat noch nicht auf eine klare Richtung festlegen. In ihrer Vorstellung klang so einiges verlockend: Verfassungs- oder Wirtschaftsrecht, Promotion oder eine Arbeit mit Auslandsbezug. In den vergangenen fünf Jahren blieb einzig das Verfassungsrecht auf der Strecke, die anderen Punkte hakte Al-Wraikat nach und nach auf ihrer Liste ab. Denn die 27-Jährige promovierte zwischen 2012 und 2014 im Aktienkonzernrecht.

Anschließend folgte das Referendariat. In diesem Herbst verbringt sie nun ihre Verwaltungsstation im deutschen Generalkonsulat in Los Angeles. Wenn Al-Wraikat an die vergangenen Jahre zurückdenkt, ist sie mit sich zufrieden. Alles verlief tatsächlich so, wie sie es sich vorgestellt hatte.

Reise ins Unbekannte

Zu Beginn ihres Studiums sah das noch ganz anders aus. „Im ersten Jahr weiß noch niemand, wo die Reise hingeht“, sagt Al-Wraikat. „Da liegt so viel vor einem. Doch wenn man erst mal einen Zugang zum Thema gefunden hat, wird es viel einfacher. Ab dem zweiten Jahr geht’s besser!“ Insgesamt aber war das Studium für ihren Geschmack zu theoretisch.

Als sie während eines Praktikums bei White & Case endlich an echte Akten durfte, war sie begeistert. „Ich recherchierte zu konkreten Fragestellungen und bekam direkt Feedback“, erzählt Al-Wraikat. Ihr gefiel der hohe Grad der Spezialisierung, den die Corporate-Praxis einer Großkanzlei ausmacht. „Die Rechtsstreitigkeiten dort sind sehr komplex“, findet sie, obwohl man als Praktikant aufgrund der Arbeitsteilung nicht die Gelegenheit bekäme, einen Fall tatsächlich von Anfang bis Ende zu begleiten.

Komplexität und Spezialisierung

Die Westfälin reizt gerade die Komplexität juristischer Fälle und Fachfragen. Sie will Spezialistin auf ihrem Gebiet sein. Dafür legte sie mit ihrer Promotion im Aktienkonzernrecht eine solide Basis. In dem Fall war das große Ganze der deutsche Corporate Governance Kodex für gute ‚Unternehmensführung‘, der seit bald 15 Jahren besteht und jährlich novelliert wird.

Al-Wraikat untersuchte dabei die spezielle Rolle des Aufsichtsrats in Konzerngesellschaften, wie dieser Kontrolle ausübt und was bei Mehrfachmandaten geschieht. „Dafür wühlte ich mich durch Fachzeitschriften wie Der Konzern oder Das Aktienrecht“, erinnert sie sich.

Genau dieses Vertiefen in Detailfragen und Fach­literatur, um die richtige Lösung zu finden, wünscht sich die Referendarin für ihren späteren Beruf: „Komplexe Rechtsfälle faszinieren mich.“ Ihr Ziel ist, als Gesellschaftsrechtlerin in einer Großkanzlei anzufangen. Ein Problem dabei ist allerdings der Standortnachteil von Münster. Denn dort gibt es keine Großkanzleien, die nächsten sitzen in Düsseldorf. Ob ihr das einen Umzug weg aus der Heimat wert ist, ist noch ungewiss.

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