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24.10.2014 | Autor/in: Désirée Balthasar
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Hoch hinaus

(Fortsetzung)

So einer wie Ulrich, der seinen anspruchsvollen Wunscharbeitgeber zufriedenstellt und zusätzlich Weltmeisterschaften gewinnt, muss über eine außerordentliche Motivationskraft verfügen. Den Erfolgswillen, der Ulrich beim militärischen Fünfkampf zu Höchstleistungen treibt, überträgt der Gesellschaftsrechtler auch auf seinen Beruf. Nur so lassen sich der hohe zeitliche Einsatz in Beruf und Sport miteinander vereinbaren.

Ulrichs nächstes Ziel: Arbeit und Sport unter einen Hut bringen. In das Studium und die Promotion ließen sich seine Trainings- und Wettkampfzeiten noch hervorragend integrieren. Doch im Berufsalltag eines Wirtschaftsanwalts ist das nicht selbstverständlich. Das weiß auch Ulrich: „Wenn meine Trainingsergebnisse nicht mehr für die Aufnahme in den Wettkampf­kader reichen sollten, dann muss ich mir etwas über­legen!“

Prioritäten setzen

Seine Kanzlei kommt ihm daher entgegen. Zu seiner Einstellung legte sie einen Schmankerl oben drauf. Als Ulrich sein Büro das erste Mal als Associate betrat, hing die Klimmzugstange bereits unter der Decke. Dazu gab es Eisenringe, um den Schwierigkeitsgrad zu ­erhöhen. Nicht viel später gab es im Düsseldorfer Büro am Medienhafen sogar Duschen. Ulrich trainiert ­bei­nahe täglich, mal schlüpft er in seine Jogging­schuhe, mal hebt er Gewichte. In einer Kanzlei zu ­arbeiten, die ihm keine Zeit für sein Hobby zugestehen würde, schließt er ­kategorisch aus.

Auf dem Weg zur Assessorin: Nadja Al-Wraikat lernte während der Promotion an der Universität Münster die Motivation hochzuhalten. Jetzt strebt sie das zweite Staatsexamen an.

Auf dem Weg zur Assessorin: Nadja Al-Wraikat lernte während der Promotion an der Universität Münster die Motivation hochzuhalten. Jetzt strebt sie das zweite Staatsexamen an.

Gerade Juristen brauchen auf dem Weg ins Berufsleben einen langen Atem. Bis zum Studienende vergehen locker fünf Jahre. Viele Juristen promovieren ­anschließend, andere gehen für einen LL.M.-Studium ins Ausland. Beim Einstieg in den ersten Job sind die meisten Jura-Absolventen daher Ende zwanzig. So manchem angehenden Volljuristen geht allerdings ­unterwegs die Puste aus.

Hilfe von Freunden und Kollegen

Ohne sportliche Ausschweifungen, dafür mit reichlich Motivation durch ihre Kommilitonen kämpfte sich Nadja Al-Wraikat durch das Erste Staatsexamen und die Promotion. Bei der Examensvorbereitung half ihr eine private Arbeitsgemeinschaft. „In stressigen Phasen hilft es sehr, wenn man sich mit Freunden und Kollegen, die in derselben Lage sind, austauschen und sich gegenseitig motivieren kann“, erinnert sich die Referendarin, die an der Universität Münster eingeschrieben ist.

Besonders vor dem Ersten Staatsexamen liegt der Lernstoff wie ein riesiger Berg vor den Jurastudenten, den sie nach und nach abtragen. Heute, beim Referendariat, gefällt ihr gut, dass sie endlich das Jurawissen, das sie sich bis zum Ersten Staatsexamen durch ständiges Pauken mühsam erarbeitet hat, auf Fälle aus dem echten Leben anwenden kann, sagt Al-Wraikat.

Das praxisfremde Studium habe sie zwischenzeitlich frustriert. „In meiner Promotionszeit habe ich die Freiheit genossen, meine eigene Chefin zu sein – allerdings verlangt das einem auch viel Planung und Selbstdisziplin ab.“ Monatelang ein und dasselbe Thema zu bearbeiten, ist nicht jedermanns Sache. Die anderen wissenschaftlichen Mitarbeiter am Lehrstuhl waren für Al-Wraikat jedoch eine große Hilfe. Schließlich befanden auch sie sich in derselben Situation.

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