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24.10.2014 | Autor/in: Laura Bartels
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Die Vorleser

(Fortsetzung)

Manche Bewerber scheuen den Gang zum Prüfungsamt noch, weil sie sich mit dem Gedanken an eine erneute examensähnliche Prüfung nicht anfreunden können. Für Santelmann allerdings war sofort klar, dass er die Gelegenheit wahrnehmen wird. „Ich hätte mich vermutlich auch nach dem alten ­Modell um eine Notarstelle bemüht. Aber mir gefällt das neue System sehr gut“, sagt er. Klausuren zu ­schreiben, hat ihm noch nie Kopfzerbrechen bereitet. Daher war die Hemmschwelle, sich zur Prüfung anzumelden, für ihn nicht besonders hoch.

Auch die Vorbereitung neben dem Job war gut zu bewerkstelligen. „Es gibt sehr gute Kurse, in denen vermittelt wird, was für die Prüfung relevant ist“, sagt er. Solche Kurse bieten die Deutsche Anwalt Akademie und das Deutsche Anwaltsinstitut an. Sie erinnern an Repetitorenkurse zur Vorbereitung auf das Erste und Zweite Staatsexamen.

Zusammenhänge verstehen

Gutes Zeitmanagement entscheidet: Kristof Schnitzler, Associate bei Schalast & Partner in Frankfurt, lernt zurzeit für die notarielle Fachprüfung.

Gutes Zeitmanagement entscheidet: Kristof Schnitzler, Associate bei Schalast & Partner in Frankfurt, lernt zurzeit für die notarielle Fachprüfung.

Einen solchen Kurs hat auch Kristof Schnitzler vor Kurzem abgeschlossen. Die notarielle Fachprüfung muss er im Gegensatz zu Santelmann aber noch ablegen. Das hat der 37-Jährige, der in Frankfurt bei der Kanzlei Schalast & Partner arbeitet, für den März 2015 geplant. Danach will er neben seiner anwaltlichen ­Tätigkeit als Notar arbeiten. Angst vor der Fachprüfung hat er nicht. Aber natürlich muss auch er sich mit der einen oder anderen Materie noch einmal intensiver auseinandersetzen.

„Es ist wichtig, die Gesamtzusammenhänge zu verstehen. Dafür schadet es nicht, sich bestimmten Rechtsgebieten noch einmal – wie im Studium – auf theoretischem Wege zu nähern“, sagt er. Selbst wenn das bedeutet, rund sieben Jahre nach dem Zweiten Staatsexamen nochmal die Schulbank zu drücken und für Klausuren zu lernen. „Das Wichtigste ist ein gutes Zeitmanagement in der intensiven Lernphase, um Vorbereitung und tägliche Arbeit gut miteinander vereinbaren zu können“, sagt er.

Günstige Gelegenheit

Die Zahl der Anwaltsnotare geht zwar seit Jahren langsam, aber stetig zurück. 2013 lag die Zahl der Berufsträger bei mehr als 6.000, 2014 sind es noch knapp 5.800. Demgegenüber steigt die Zahl derjenigen, die an der notariellen Fachprüfung teilnehmen (LINK Beliebtheit wächst). Trotzdem ist die Gelegenheit für Neueinsteiger in das Notariat gerade sehr günstig, denn vielorts scheiden mehr Notare altesbedingt aus als nachfolgen.

In Frankfurt etwa kündigt sich ein Generationswechsel unter den Notaren an. Aufgrund des hohen Altersdurchschnitts werden in der Bankenmetropole in den kommenden zehn Jahren etwa die Hälfte der Stellen neu zu besetzen sein. Das heißt: Jeder Bewerber, der die Fachprüfung besteht, bekommt voraussichtlich eine Stelle. Aktuell sind in Frankfurt etwa 40 Positionen ausgeschrieben.

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