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24.10.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Die Dickbrettbohrer

(Fortsetzung)

Die Chance, fachlich so richtig in die Tiefe zu gehen, hatte Petrowsky schon wenige Monate nach dem Berufseinstieg. Im Februar 2013 hielt er gemeinsam mit Winter einen Vortrag auf einer Tagung zur CRR-Verordung an der Europäischen Rechtsakademie in Trier. Für einen First-Year-Associate klingt das Thema ziemlich anspruchsvoll: „Counterparty Credit Risk (CCR) Regulation and the OTC Market“, zu deutsch: Regulierung von Darlehensrisiken durch Ausfall eines Handelspartners im außerbörslichen Derivatemarkt.

Um hier mitzureden, muss man nicht nur die Gesetze kennen, sondern auch komplexe Bilanzen verstehen. Wenn Petrowsky zurückblickt, hatte er nicht nur viel Spaß an dieser Aufgabe, sondern ist daran auch ein Stück gewachsen. „Für die Kollegen und einige Mandanten der Kanzlei wurde ich zunehmend so etwas wie ein CRR-Experte. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz.“

Jedes Jahr mehr Komplexität

Frederik Winter ist manchmal überrascht, wie stark sich sein Einsatzgebiet weiterentwickelt hat, seit er selbst als Associate bei Linklaters anfing. „Die Vorschriften sind in den letzten zehn Jahren unendlich viel komplexer geworden. Trotzdem darf man keine fach­lichen Scheuklappen aufsetzen. Auch im Gesellschaftsrecht, im Bilanz- und im Insolvenzrecht muss man auf einem gewissen Niveau mitreden können. Noch dazu beschäftigt man sich mit einem Thema oft, bevor es dazu Kommentare oder auch nur fertige Gesetzestexte gibt. Das ist gelegentlich Hardcore-Jura.“

Wer sich hier wohlfühlt, dürfte dafür deutlich bessere Karrierechancen haben als in vielen anderen Fach­bereichen. Die meisten Kanzleien wollen ihre Regulierungspraxen weiter ausbauen, nicht nur mit Associates, sondern auch mit Neupartnern. „Wer im Aufsichtsrecht berät, hat oft mit strategischen Fragen zu tun und kommt schnell mit Entscheidungsträgern in Kontakt – leitende Mitarbeiter der Rechtsabteilung, Vorstände, Aufsichtsräte. Beim Aufbau eines eigenen Business Case kann das hilfreich sein“, erläutert Winter.

Bessere Work-Life-Balance?

Und wenn man lieber einfach die Wochenenden frei hätte, wie zum Beispiel die Kollegen bei der BaFin? Schließlich sind Wirtschaftskanzleien nicht gerade für eine ideale Work-Life-Balance bekannt – das eilige Projektgeschäft bringt immer wieder unvorherseh­bare Nacht- und Wochenendschichten mit sich.

Doch Petrowsky wiegelt ab. „Extreme Auslastungsspitzen gibt es nicht so häufig wie in manch anderen Fach­bereichen – auch wenn wir natürlich immer wieder an M&A-Transaktionen mitarbeiten, bei denen es sehr stressig werden kann. Trotzdem: In den letzten zwölf Monaten habe ich mich an nur drei Wochenenden ins Kanzleinetz eingeloggt, und meinen dreiwöchigen ­Urlaub konnte ich ungestört genießen.“ Gut, Hand aufs Herz: Wo haben Sie das letzte Wochenende verbracht, Herr Petrowsky? Der Anwalt lächelt. „Im Kletterwald. Anspruchsvoll war das auch.“ —

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