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24.10.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Die Dickbrettbohrer

(Fortsetzung)

Bevor der ‚Supervisory Dialogue‘ im Vorfeld der Stresstests begann, analysierte er dort unter anderem die Outsourcing-Strategien der Großbanken – ein ­aufwendiges Projekt, das einige Lücken im Risiko­management der Institute aufzeigte. „Es ist spannend, detaillierten Einblick in verschiedene Banken zu haben. Und dass nun auch die EZB mit im Boot sitzt, macht die Arbeit wirklich international.

An manchen Tagen spreche ich mehr englisch als deutsch“, berichtet Konschalla. Dazu kommt, dass die meisten BaFin-Beamten alle paar Jahre ein neues Einsatzgebiet kennenlernen. „Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, in eines der Referate zu wechseln, die für eine einzige Bank zuständig sind und ‚ihr‘ Institut in- und auswendig kennen.“

Quereinsteiger bei der BaFin

Weil die Aufsicht etliche Zusatzaufgaben übernommen hat, baute sie auch ihre Mannschaft kräftig aus. Seit 2009 kamen mehrere ­Hundert Stellen hinzu. Unter den Neuzugängen sind zahlreiche junge Juristen, die vorher bei Banken oder Kanzleien tätig waren. „Das tut der Anstalt sehr gut“, meint ein Bankaufsichtsrechtler aus einer Frankfurter Kanzlei.

Großkanzlei statt Behörde: Janis Petrowsky (li.) und Frederik Winter machten als Referendare Station bei der BaFin, stiegen dann aber bei Linklaters ein.

Großkanzlei statt Behörde: Janis Petrowsky (li.) und Frederik Winter machten als
Referendare Station bei der BaFin, stiegen dann aber bei Linklaters ein.

Beklagten sich die Anwälte früher häufig über lückenhafte Fachkenntnisse und dogmatische Denke der Aufseher, ernten die ­BaFin-Juristen seit einigen Jahren immer mehr Lob. „Sie rekrutieren inzwischen Berufseinsteiger, die auch wir gerne einstellen würden. Die BaFin hat massiv Spezialexpertise aufgebaut“, ­berichtet ein Partner aus ­einer Großkanzlei. Umgekehrt sind erfahrene BaFin-Mitarbeiter in der Finanz­industrie begehrt, wenngleich Deutschland von einem Drehtürprinzip wie in den USA noch meilenweit ­entfernt ist.

Eine Frage der Mentalität

Auch Janis Petrowsky (32) und Dr. Frederik Winter (43) kennen die BaFin von innen wie von außen. Beide haben im Referendariat bei der Aufsicht Station gemacht, bevor sie am Frankfurter Standort von Linklaters ihre Anwaltskarriere begannen, bei einer der führenden deutschen Kanzleien für Bankaufsichtsrecht. Heute arbeiten sie gemeinsam an M&A-Deals genauso wie an der Umsetzung der Marktinfrastrukturverordnung EMIR, die den Derivatehandel reguliert – Petrowsky als Associate im dritten Berufsjahr, Winter seit 2012 als Partner. Warum haben sie eine Großkanzlei gewählt, statt in die Behörde zu gehen?

Für Winter war es schlicht eine Frage der Mentalität. „Ordnendes Auf­sehen oder gestaltendes Einwirken – mir liegt Letzteres mehr, zum Beispiel bei einem Beratungsprodukt, das einen eigenen Marktwert hat“, sagt der junge Partner. Janis Petrowsky sieht es so: „In den Fachabteilungen der BaFin beschäftigt man sich über lange Zeit mit ­einem speziellen Bereich. In der Kanzlei hingegen ­bekomme ich Fragen zu den unterschiedlichsten aufsichtsrechtlichen Themen auf dem Tisch und muss Lösungen finden, am besten bevor diese Fragen von den Aufsehern adressiert werden.“

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