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24.10.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Die Dickbrettbohrer

(Fortsetzung)

Aber bereitet es ihm keine Bauchschmerzen, dass er damit den Einsatz für das Gemeinwohl gegen die Vertretung von Einzelinteressen eingetauscht hat? „Auf der einen Seite der gute Staatsdiener, auf der anderen der böse Bankenanwalt – dieses Klischee entspricht nicht der Wirklichkeit“, so Gerlach und erklärt weiter: „Neue Vorschriften sind mitunter unklar formuliert und unzureichend vom Gesetzgeber begründet, so dass sich auch die BaFin erst orientieren und eine Aufsichtspraxis entwickeln muss.“

Wie die Gesetze im Einzelfall anzuwenden seien, erarbeite man meist in enger Abstimmung mit der BaFin nach intensiver Erörterung der Gesetzesauslegung und des Geschäftsmodells der Mandanten, so der Berliner Anwalt. „Es ist ein konstruktiver Dialog.“

Bankrecht auch vor Gericht

Konfrontativ kann Gerlach allerdings auch. Anders als viele andere Bankrechtspraxen legt LSP Wert darauf, dass alle Associates Prozesserfahrung sammeln. Nach einer internen, Moot-Court-artigen Vorbereitung trat er schon bald nach seinem Eintritt in die Kanzlei vor Gericht auf, als Bankenvertreter in Anlegerprozessen, bei denen es um den Vorwurf der Falschberatung und um Haftungsfragen ging.

Parallel arbeitet sein Team viel für den Deutschen Sparkassen- und Giroverband, eine Stammmandantin der Kanzlei, die sich regelmäßig zu aktuellen oder kommenden Regulierungsfragen beraten lässt.

Neuland betreten

Und dann sind da noch die Start-ups. Immer mehr Gründer stürzen sich auf Banking-Apps oder Online-Zahlungssysteme. Vom Zahlungsdiensteaufsichts­gesetz haben allerdings die ­wenigsten gehört. Auch eine Anschubfinanzierung per Crowdfunding finden viele interessant. Doch seit einiger Zeit nimmt die ­BaFin diese Kapitalquellen genau unter die Lupe.

Reichlich Gelegenheit für LSP, ihre Kontakte zur Berliner Gründerszene zu nutzen. „Das bringt zwar keine Spitzenhonorare, ist aber unglaublich interessant und anspruchsvoll, zumal die Umsetzung der Geschäftsmodelle meist juristisches Neuland im Bankaufsichts- und Datenschutzrecht betrifft“, erzählt Gerlach.

Thomas Konschalla hat den umgekehrten Weg gewählt: von der Kanzlei zur Behörde. Seinen ersten Job trat er bei einer kleinen Düsseldorfer Kanzlei an. Mit dem Wertpapierhandels- und dem Kreditwesengesetz hatte er schon dort intensiv zu tun. Doch auf Dauer wünschte sich der begeisterte Europarechtler, der seinen LL.M. in Neuseeland erworben hat, eine internationalere Aufgabe. Als die BaFin für ihre Querschnittsabteilungen Mitarbeiter suchte, bewarb er sich und fing nach bestandenem Assessment-Center im Referat für vergleichende Aufsicht an.

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