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24.10.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Die Dickbrettbohrer

(Fortsetzung)

Ortswechsel: Zur gleichen Zeit grübelt Finn Gerlach in der Nähe des Berliner Tiergartens über das Geschäftsmodell seines Mandanten nach. Vor ein paar Wochen hat der 34-jährige Associate sein erstes eigenes Mandat für die Kanzlei Lindemann Schwennicke & Partner (LSP) akquiriert: die Begleitung eines Start-up-Unternehmens in allen bank- und finanzrechtlichen Fragen.

Von der Politik in die Boutique: Finn Gerlach startete seine Karriere als Referent beim finanzpolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, bevor er zur Berliner Boutique Lindemann Schwennicke & Partner wechselte.

Von der Politik in die Boutique: Finn Gerlach startete seine Karriere als Referent beim finanzpolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, bevor er zur Berliner Boutique Lindemann Schwennicke & Partner wechselte.

Das Geschäftsmodell ist so konstruiert, dass die Gründer keine BaFin-Genehmigung brauchen, um ihre Idee umzusetzen. Denn sobald die Regulierungsbehörde mitredet, ­können neue Hürden entstehen. Gerlach hat bei einem anderen Mandanten schon erlebt, dass die ­Aufseher kurz vor der nächsten Finanzierungsrunde eine Prüfung starteten – und erst etliche Monate später abschlossen. Die Geldgeber wurden ungeduldig, die Finanzierung drohte zu platzen, was das Aus für das junge Unternehmen bedeutet hätte.

Geduldig im Kapitalmarktrecht

Bankaufsichtsrecht, spannend wie ein Krimi? Auf diesen Gedanken kommt so leicht sicher niemand. Die Materie verschanzt sich hinter einem Wust von Abkürzungen, die genauso technisch und kompliziert klingen, wie sich die meisten diesen Rechtsbereich vorstellen: CRD IV, GwG, SREP, MaRisk, WpDVerOV oder auch VermVerkProspV (Glossar).

An der Universität haben die wenigsten Jurastudenten damit zu tun. Warum also sollte man sich als Jurist für Bankenregulierung interessieren, einen Spezialbereich, in dem es um das geduldige Bohren dicker Bretter geht? Finn Gerlach kam schon früh auf den Geschmack. Als er ­seine Abiturklausuren schrieb, boomte die New Economy, viele Kleinanleger versuchten ihr Glück an der Börse. „Ich habe damals auch spekuliert, mit kleinen Summen und großer Begeisterung: Infineon, Telekom, Dotcom-Unternehmen – jede Menge Nieten dabei.“ Aber der Crash des Neuen Marktes und die nachfolgenden Haftungsprozesse, die in die Zeit seines Studiums an der Berliner Humboldt-Universität fielen, weckten sein Interesse am Kapitalmarktrecht.

Über seinen Professor kam der angehende Jurist mit dem jungen Grünen-Politiker Gerhard Schick in Kontakt, Mitglied im Bundestags-Finanzausschuss. Nach dem ersten Examen fing Gerlach bei ihm als ­Referent für Kapitalmarktrecht an und begleitete die Umsetzung der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID. Sie gab der Branche detaillierte Regeln zur Anlegerberatung und zur Abwicklung von Ordern vor.

Station in Singapur

Im Referendariat machte er bei der BaFin Station und ging für die Konrad-Adenauer-Stiftung nach Singapur, um dort an einem Programm mitzuwirken, mit dem die Stiftung rechtsstaatliche Strukturen wie Gewalten­teilung oder Gewährleistung der Grund- und Menschenrechte in Asien fördert.

In einer Wirtschaftskanzlei zu arbeiten, hatte Gerlach ursprünglich gar nicht vor. Doch zu den Anwälten der renommierten Bank- und Finanzrechtsboutique LSP hatte er schon im Nebenjob während seines Studiums Kontakt geknüpft, und das Vorstellungsgespräch, an dem die gesamte Mannschaft der Kanzlei teilnahm, überzeugte ihn schnell.

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