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24.10.2014 | Autor/in: Markus Lembeck

Augen auf beim LL.M.-Kauf!

(Fortsetzung)

Die Modalitäten sind entsprechend flexibler und verhandelbar. Die Fonds wählen Bewerber ähnlich streng aus wie Stipendiengeber und vertrauen darauf, dass die Geförderten nach dem Studium ordentlich verdienen. CHE-Experte Müller: „Fondsanbieter sind schon im Auswahlverfahren wählerisch und schauen sich das Studienfach, die Noten, die Motivation und die Gehaltserwartungen der Bewerber genau an.“ Zum Glück gelten zukünftige Juristen als einkommensstark.

Fondsangebote prüfen

Genau rechnen: Ulrich Müller vom CHE empfiehlt eine sehr sorgfältige Kalkulation bei der Studienfinanzierung.

Genau rechnen: Ulrich Müller vom CHE empfiehlt eine sehr sorgfältige Kalkulation bei der Studienfinanzierung.

Der Deal funktioniert so: Der später berufstätige LL.M.-Absolvent zahlt zehn Jahre lang einen Anteil von ­vielleicht 7,5 bis 8,5 Prozent seines hoffentlich hohen Bruttogehalts an den Bildungsfonds zurück. Diese ­einkommensabhängige Rückzahlung und die individuelle Vereinbarung des Prozentsatzes macht es unmöglich, die Bildungsfonds mit Anbietern von Studienkrediten zu vergleichen. Fest steht, dass sowohl für den Fall eines zu geringen Verdienstes von unterhalb 30.000 Euro pro Jahr als auch für Spitzenverdiener Rückzahlungsgrenzen gelten.

Ein neues, speziell auf LL.M.-Interessenten zugeschnittenes Angebot von Brain Capital hat seit Anfang 2014 fünf Verträge hervorgebracht. „Die Anregung für den LL.M.-Bildungsfonds kam von der Deutsch-Amerikanischen Juristenvereinigung“, so Geschäftsführer Johannes Frankenfeld. „Auf unserer Seite konnten wir speziell die Erfahrungen aus einem bestehenden Förderprogramm an der Bucerius Law School nutzen.“

Finanzierung mit Flexibilität

Der Bildungsfonds prüft den Empfänger seines Investments auf Herz und Nieren. Heraus kommt jeweils ein individuelles Angebot, erklärt Frankenfeld: „Wir sind bei der Ausgestaltung der Finanzierung sehr flexibel. Vorrangig wollen wir die Studiengebühren ab­decken, denn das ist die höchste Hürde. Aber im Einzelfall sind auch weitergehende Förderungen möglich, zum Beispiel für hohe Lebenshaltungskosten.“

Außerdem verbinden Fonds die finanzielle Förderung mit einem Beratungs- oder Coachingangebot. Aber das ist oft nur Beiwerk. „Beratungs- oder Coaching-Angebote, die bei einigen Anbietern die finanzielle Förderung begleiten, sollte man bei der Entscheidung für oder gegen ein Angebot völlig außer Acht lassen“, meint CHE-Experte Müller. „Im Kern geht es um die finanziellen Konditionen, die sollte man gründlich durchrechnen.“

Rückzahlung bei Abbruch

Und einen Pferdefuß haben auch die positiv klingenden Fondsangebote, so Müller. „Der Abbruch des geförderten Studiums hat bei Bildungsfonds fatale Folgen: Die Finanzierung wird dann in einen normalen Kredit umgewandelt, dessen Rückzahlung schon nach kurzer Zeit beginnen muss.“ Mit anderen Worten, der Geförderte ist dann doppelt gestraft: Er kehrt nicht nur ohne Titel aus dem Ausland zurück, er muss auch noch eine erhebliche Schuldenlast tragen. Beim kurzen LL.M.-Jahr von September bis Juli zum Glück ein eher geringes Risiko.

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