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28.10.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Associategehälter: UK im Aufwind, USA zurückhaltend

Die führenden britischen Kanzleien im Londoner Markt haben eine weitere Gehaltsoffensive eingeläutet. Allen & Overy, Clifford Chance und Linklaters hoben die Bezahlung für Berufsanfänger und erfahrene Associates um bis zu 6,5 Prozent an. In den USA verharren die Top-Einstiegsgehälter nominell auf Vorjahresniveau, sind aber für immer weniger Berufsanfänger überhaupt realistisch. 

Wie das britische Branchenmagazin „The Lawyer“ berichtet, verdient ein Berufseinsteiger bei Allen & Overy in der City nun bis zu 66.500 GBP, umgerechnet knapp 85.000 Euro. Die Kanzlei liegt damit im Mittelfeld der fünf Magic-Circle-Kanzleien, zu denen auch Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer, Linklaters und Slaughter & May gezählt werden. Einige dieser Adressen hatte schon zuletzt die Saläre nach oben angepasst (mehr…). Die höchsten Einstiegsgehälter bezahlen nach wie vor Clifford Chance und Freshfields mit jeweils 67.500 GBP.

Der Magic Circle liegt damit allerdings deutlich hinter den Londoner Büros der US-Kanzleien zurück. Bei Jones Day und White & Case verdienen Berufsanfänger 72.500 GBP, Spitzenreiter Milbank Tweed Hadley & McCloy bezahlt inzwischen sogar 101.000 GBP – rund 128.000 Euro – und damit mehr als in Deutschland. Die übrigen US-Kanzleien in der City liegen gehaltsmäßig dazwischen. Der Abstand zu den einheimischen Kanzleien erklärt „The Lawyer“ damit, dass diese ihren Nachwuchs stärker über Trainee-Programme an sich binden als die US-Einheiten, die stattdessen zur Geldbörse greifen müssen.

Top-Gehälter in den USA immer weniger relevant

In den USA hat sich das in Spitzenkanzleien übliche Einstiegsgehalt von mindestens 160.000 US-Dollar (rund 126.000 Euro) zuletzt nicht verändert. Allerdings geht die Zahl der Absolventen, die mit einem solchen Salär rechnen können, seit Jahren zurück. Nach einer Erhebung der National Association for Law Placement (NALP) erhalten heute nur noch rund 27 Prozent der Berufsanfänger, die in den größten US-Kanzleien einsteigen, 160.000 US-Dollar oder mehr. Vor fünf Jahren waren es noch zwei Drittel.

Diesen Rückgang führt NALP vor allem auf die veränderte Struktur der großen Einheiten im Kanzleimarkt zurück. Unter den US-Sozietäten mit über 700 Berufsträgern, auf die sich die Studie bezieht, sind heute mehr dezentrale, in zahlreichen regionalen Märkten verankerte Kanzleien als vor der Krise. Das Gehaltsniveau in diesen Sozietäten liegt meist deutlich niedriger als in den Elitekanzleien an Ost- und Westküste.

Dennoch lagen die Einstiegsgehälter im US-Markt auch insgesamt zuletzt deutlich niedriger als noch 2009. Einer weiteren NALP-Studie zufolge lag das Einstiegsgehalt in Kanzleien damals auf dem historischen Höchststand von 130.000 US-Dollar (Medianwert). Bis 2011 sank diese Zahl auf 85.000 US-Dollar. Seitdem hält sich die Erholung in engen Grenzen: 2013 betrug das mittlere First-Year-Gehalt rund 95.000 US-Dollar. (Norbert Parzinger)