News
30.09.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
Themen in dieser Nachricht:

Jurastudenten als Volkes Stimme: Wunsch nach härteren Strafen wächst

Jurastudenten im ersten Semester befürworten heute härtere Sanktionen für Straftäter als noch 1989. Mit diesem Ergebnis endete eine Langzeituntersuchung des Erlanger Emeritus Professor Dr. Franz Streng. Dabei sind sowohl die tatsächliche Kriminalität als auch auch das individuelle Gefühl der Bedrohtheit seit Langem rückläufig.

Streng, der bis 2013 am Institut für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie lehrte, befragte zwischen 1989 und 2012 rund 3.100 Studienanfänger. Die Teilnehmer am Ende des Untersuchungszeitraums sprachen sich bei den gleichen Delikten für ein deutlich höheres Strafmaß aus als ihre Studienkollegen vor 25 Jahren.

Zusätzlich fragte Streng danach, ob sich die Teilnehmer persönlich von Straftaten bedroht fühlten. Dieser Eindruck nahm nach der deutschen Wiedervereinigung vorübergehend zu, sank aber über den Untersuchungszeitraum insgesamt. Wie der Forscher betont, zeigen auch die polizeilichen Statistiken seit Langem einen Rückgang der Kriminalität insgesamt. Wurden 1993 laut Bundeskriminalamt noch 6,75 Millionen Straftaten registriert, waren es 2013 rund 5,96 Millionen.

Warum junge Juristen dennoch höhere Strafmaße fordern, erklärt Streng mit zunehmender Unsicherheit durch gesellschaftliche Umbrüche: Diese riefe nach symbolischer Bekämpfung, etwa durch härtere Strafen für identifizierbare Übeltäter. Zudem versetzten sich heute mehr junge Menschen als früher in die Perspektive des Kriminalitätsopfers. Hinzu komme eine intensive mediale Berichterstattung über Straftaten. (Norbert Parzinger)