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25.09.2014 | Autor/in: Marc Chmielewski
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Jura-Start-up: Edicted vermietet Studenten und Referendare

Es begann als Nebenjob, doch inzwischen nimmt ihr Startup-Unternehmen Edicted die Bremer Philipp Harsleben (24) und Marco Klock (26) so stark in Anspruch, dass sie ihr Jurastudium erst mal auf Eis gelegt haben. Ihre Mission: Anwälte und Studenten miteinander ins Geschäft bringen. Und das soll erst der Anfang sein.

Philipp Harsleben (mit Bart) und Marco Klock wollen mit ihrer Internet-Plattform Edicted Anwälte mit Studenten und Referendaren zusammenbringen.

Philipp Harsleben (mit Bart) und Marco Klock bringen auf ihrer Internet-Plattform Edicted Anwälte mit Studenten und Referendaren zusammen.

Edicted ist eine Internet-Plattform, auf der Anwälte Arbeitsaufträge vergeben können – die werden dann von Studenten oder Referendaren bearbeitet. Seitdem das Portal im August online ging, haben sich bereits mehr als 400 Studenten als Bearbeiter und 100 Anwälte als potenzielle Auftraggeber registriert.

„Anwälte nutzen das Portal, um Rechercheaufträge zu vergeben und sich bei Gutachten und Schriftsätzen helfen zu lassen“, sagt Gründer Harsleben. Auch Blog-Einträge und Zeitschriften-Artikel, gern gleich suchmaschinenoptimiert, können sich gestresste Anwälte anfertigen lassen, um sie unter ihrem Namen herauszugeben.

Vorteil für alle Beteiligten

Die Idee ist, dass alle Beteiligten profitieren: Student, Auftraggeber – und nicht zuletzt Edicted selbst. Der Student wird für seine Arbeit bezahlt und sammelt nebenbei Erfahrung in der juristischen Praxis. Der Anwalt verschafft sich Flexibilität und Entlastung. „Er muss keine studentischen Mitarbeiter anstellen, muss keine Termine abstimmen und kann auf einen großen Pool von Juristen zugreifen“, sagt Harsleben.

Die Vermittlungsleistung von Edicted wiederum lassen sich Harsleben und sein Kompagnon Klock vergüten: 20 Euro zahlt ein Anwalt in der Regel je Arbeitsstunde. Der Bearbeiter erhält davon, abhängig vom Schwierigkeitsgrad der Aufgabe und der Bewertung durch den Auftraggeber, 10 bis 15 Euro. Der Rest geht an Edicted.

Mitarbeiter aus ganz Deutschland

Bevor sie mit Edicted an den Start gingen, jobbten Harsleben und Klock beide bei Anwälten. Erste Kontakte zu Auftraggebern waren bei der Gründung des Unternehmens also schon vorhanden. Die Aufträge stapelten sich schnell so hoch, dass die Gründer Kommilitonen als Bearbeiter mit ins Boot holten. „Die Uni Bremen ist weitgehend abgegrast, was potenzielle Mitarbeiter angeht“, sagt Harsleben. Deshalb haben sich die Edicted-Gründer inzwischen dem Rest der Republik zugewandt.

Seit August gibt es eine Internet-Plattform, über die Aufträge und Bezahlung zentral abgewickelt werden. Zudem können sich Studenten dort für ihre Aufgaben schulen: In Zusammenarbeit mit Dr. Philipp Hammerich, Rechtsdozent beim Repetitorium Hemmer, bieten Harsleben und Klock Online-Seminare an. Auch die Auftraggeber kommen längst nicht mehr nur aus Bremen und Umgebung, sondern aus dem ganzen Land.

Einstufung nach Schwierigkeitsgrad

Als Bearbeiter können sich Jura-Studenten ab dem 5. Semester registrieren. Nicht jeder darf gleich alles machen. Der Schwierigkeitsgrad eines Auftrags wird von Edicted auf einer Skala von eins bis fünf eingeschätzt. Welcher Mitarbeiter welche Aufträge annehmen darf, bestimmt die individuelle Einstufung – und die wiederum ergibt sich aus Probeaufträgen sowie der Kundenzufriedenheit bei früheren Aufträgen.

Für Harsleben und Klock, beide im 8. Semester, ist Edicted inzwischen ein Vollzeitjob. „Wir wollen schon noch unser Staatsexamen machen“, sagt Harsleben. „Aber im Moment haben wir einfach keine Zeit.“ Dass es demnächst gemächlicher zugehen wird, ist kaum zu erwarten: Derzeit arbeiten die Gründer daran, dass neben Studenten und Referendaren auch Volljuristen ihren Kollegen bei Edicted ihre Dienste anbieten können. (Marc Chmielewski)

Im Internet: www.edicted.de