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24.06.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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London: Großkanzleien erhöhen Einstiegsgehälter

In der Londoner City drehen einige der größten Wirtschaftskanzleien kräftig an der Gehaltsschraube. Über die letzten Monate haben unter anderem Ashurst, Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer, Hogan Lovells und Linklaters die Bezahlung für Trainees und Associates erhöht. In Deutschland dagegen ist die letzte große Gehaltsoffensive im Markt bereits über zwei Jahre her.

Britische Bachelor-Absolventen, die die zweijährige Trainingsphase vor der Anwaltszulassung in der Kanzlei verbringen, erhalten bei Clifford Chance und Freshfields statt 39.000 nun 40.500 GBP im ersten Jahr, umgerechnet rund 50.600 Euro. Zuvor war das Trainee-Gehalt bei Freshfields sechs Jahre lang unverändert geblieben.

Damit bewegen sich zum ersten Mal zwei Kanzleien aus dem britischen „Magic Circle“ in der Gehaltsregion über 40.000 GBP, die bislang den City-Büros der US-Kanzleien vorbehalten war. So bezahlen etwa die Londoner Dependancen von Jones Day, Skadden Arps Slate Meagher & Flom oder White & Case zwischen 41.000 und 42.000 GBP für First-Year-Trainees. Die Marktspitze besetzt mit großem Abstand Sullivan & Cromwell, die 50.000 GBP bietet.

Zweigeteilter Markt nach der Anwaltszulassung

Deutlich weiter geht die Schere bei den Associategehältern auf. Wer nach der zweijährigen Trainee-Phase übernommen wird, verdient bei Clifford Chance statt 63.500 nun 67.500 GBP (rund 84.500 Euro). Freshfields vergütet in London seit zwei Jahren erfolgsabhängig und hob in diesem Frühjahr die Untergrenze für First-Year-Associates von 65.000 auf ebenfalls 67.500 GBP an. Linklaters und Allen & Overy hatten die Einstiegsgehälter für Associates bereits im letzten Jahr deutlich erhöht und bieten aktuell 64.000 bis 65.000 GBP, ebenso Slaughter and May, die fünfte Magic-Circle-Kanzlei.

In einer ganz anderen Liga spielen traditionell die City-Büros der US-Kanzleien. Bingham McCutchen bezahlt zugelassenen Anwälten im ersten Jahr 100.000 GBP (rund 125.000 Euro). Debevoise & Plimpton, Skadden und Weil Gotshal & Manges liegen mit 94.000 bis 95.000 GBP knapp dahinter. Zuletzt erhöhte Cleary Gottlieb Steen & Hamilton ihr Gebot von 92.300 auf 96.000 GBP, das entspricht etwa 120.000 Euro.

Anders als in Deutschland ist es bei den meisten großen Wirtschaftskanzleien in London üblich, die Gehälter aller Dienstaltersstufen alljährlich leicht nach oben zu korrigieren. Allerdings hatten viele Kanzleien diese Steigerungen bis 2012 eingefroren. Nachdem die Konjunktur in Großbritannien wieder ansprang und mit den Kanzleiumsätze auch der Personalbedarf wuchs, lockten viele Kanzleien neue Associates 2013 und 2014 mit kräftigen Gehaltserhöhungen.

Kanzleien in Deutschland halten sich zurück

Auch im deutschen Markt folgten die gebotenen Einstiegsgehälter über die letzten Jahre ziemlich genau dem Personalbedarf. Schon 2011 begannen die Kanzleien, wesentlich intensiver zu rekrutieren als in den Vorjahren, 2012 gab es nochmals mehr Neueinstellungen. Parallel dazu stieg das Jahresfestgehalt für ideal qualifizierte Berufsanfänger im Marktdurchschnitt um rund sieben Prozent (mehr…). 2013 flachte die Kurve der geplanten Neueinstellungen ab, die Gehälter stiegen nur noch um etwa 1,5 Prozent (mehr…).

2014 sorgten einige Nachzügler, darunter Noerr und Norton Rose Fulbright, erneut für rund 1,5 Prozent Zuwachs beim durchschnittlichen Einstiegsgehalt. Tiefer in die Tasche greifen nun aber vor allem Unternehmen, die ihre Rechtsabteilungen ausbauen wollen (mehr…). In den Kanzleien dürften weitere Erhöhungen angesichts des sinkenden Nachwuchsbedarfs (mehr…) in nächster Zeit die Ausnahme bleiben. (Norbert Parzinger)

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