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06.06.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Imageprobleme: Junge Juristen bewerten Großkanzleien häufig negativ

Zufriedene Mitarbeiter, aber ein mieses Image bei anderen Juristen: Bei vielen Arbeitgebern klaffen Innen- und Außenperspektive weit auseinander. Betroffen sind vor allem Großkanzleien und transaktionslastige US-Kanzleien. Rechtsabteilungen sehen dagegen von innen und außen ähnlich attraktiv aus.

In der azur-Associateumfrage 2013 bewerteten über 3.000 junge Juristen sowohl ihren eigenen als auch fremde Arbeitgeber, jeweils auf einer Skala von 1 (sehr unzufrieden bzw. unattraktiv) bis 4 (sehr zufrieden bzw. attraktiv). Dabei fiel das Urteil über die eigene Kanzlei, Rechtsabteilung, Behörde oder Beratungsgesellschaft meist deutlich besser aus als die Einschätzung fremder Arbeitgeber (azur Associateranking – Geheimtipps).

Kollateralschäden beim Kanzleiumbau

Besonders weit fallen die Noten bei den deutschen Ablegern mehrerer US-Kanzleien auseinander. Shearman & Sterling etwa durchlief 2012 und 2013 einen radikalen Schrumpfungsprozess, verlor rund die Hälfte ihrer Anwälte und schloss zwei von drei deutschen Standorten (mehr…). Entsprechend negativ fiel das Urteil der Juristen aus, die diesen Rückbau von außen beobachteten: Die Attraktivität von Shearman beurteilten sie mit der Note 1,54. Dieser Wert liegt nach dem Wortlaut der Umfrage zwischen „bevor ich arbeitslos werde, würde ich hier arbeiten“ und „auf keinen Fall würde ich hier arbeiten“. Die verbliebenen Shearman-Associates hingegen vergaben die Note 3,60 und waren damit großenteils „sehr zufrieden“.

Ähnlich negativ schätzten viele Umfrageteilnehmer Mayer Brown ein, die 2012 ihre Büros in Köln und Berlin schloss und stattdessen in Düsseldorf eröffnete (mehr…). Die Mayer Brown-Anwälte selbst sind hingegen genauso zufrieden wie ihre Shearman-Kollegen.

Imageproblem bei Großkanzleien trotz zufriedener Mitarbeiter

Als Geheimtipps können auch einige weitere, vor allem transaktionsgetriebene US-Kanzleien gelten, etwa Weil Gotshal & Manges, Willkie Farr & Gallagher oder Skadden Arps Slate Meagher & Flom. Mehrere deutsche Kanzleien haben trotz zufriedener Mitarbeiter gleichfalls mit schlechtem Image zu kämpfen, darunter BLD Bach Langheid Dallmayr, Buse Heberer Fromm oder Görg.

Hartnäckig hält sich der negative Eindruck, den viele Associates in den mageren Jahren der Wirtschaftskrise von einigen Großkanzleien gewonnen haben. Freshfields Bruckhaus Deringer, Clifford Chance, Allen & Overy und andere hatten damals an Neueinstellungen gespart und die eigentlich zugesicherten jährlichen Gehaltssteigerungen für ihre Bestandsmitarbeiter ausfallen lassen (mehr…). Diese Kanzleien haben sich seitdem viel Mühe gegeben, um ihre Mannschaft wieder auszubauen. Doch während sich die Laune der Mitarbeiter  kontinuierlich verbesserte, blieb das Image im Markt negativ gefärbt.

Ausgeglicheneres Bild bei Rechtsabteilungen

Unter den Arbeitgebern, die in der Innen- und Außenperspektive ähnlich reizvoll scheinen, sind viele Rechtsabteilungen, zum Beispiel die der Deutschen Bank, Siemens, RWE oder der Deutschen Bahn. Allzu überschwänglich sind die Mitarbeiter dort nicht, dafür können sich viele Associates gerade aus Kanzleien gut vorstellen, zu einer dieser Adressen zu wechseln.

Nur zwei Arbeitgeber im Markt werden von ihren eigenen Juristen schlechter beurteilt als von außen, allerdings aus völlig unterschiedlichen Gründen. Olswang erhält von beiden Seiten begeisterte Rückmeldung, nur fällt das Urteil der Olswang-Associates minimal weniger euphorisch aus als die Note, die Außenstehende vergeben.

Die Augsburger Kanzlei Sonntag & Partner dagegen gilt im Markt als durchschnittlich attraktiver Arbeitgeber. Doch die Sonntag-Associates gaben ihrer Kanzlei überraschend die schlechteste Gesamtnote im Markt. Der Hintergrund: Zum Zeitpunkt der Umfrage im Sommer 2013 gab es in der Partnerschaft strategische Differenzen, die sich auch auf die Karrierechancen mancher Junganwälte auswirkten und das Betriebsklima massiv beeinträchtigten. Nach Angaben der Kanzlei ist der Streit aber schon seit dem Herbst wieder beigelegt. (Norbert Parzinger)

Auch 2014 befragt die azur-Redaktion wieder junge Juristinnen und Juristen zur Zufriedenheit mit ihren aktuellen Arbeitgebern, zu Wunscharbeitgebern und Erwartungen an ihren ersten Job.

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