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21.05.2014 | Autor/in: Markus Lembeck
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Wer nicht passt, wird passend gemacht

Wer nicht passt, wird passend gemacht: Ein Beitrag aus azur 1/2014

Wer nicht passt, wird passend gemacht: Ein Beitrag aus azur 1/2014

Siemens und Bayer sind gute Beispiele für die Fortschritte, die Rechtsabteilungen bei der internen Ausbildung machen. Berufseinsteiger lernen vor allem die Unternehmen von innen kennen. Von Markus Lembeck (aus azur 1/2014)

Die Werkself kämpft. Die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb ist in Gefahr. Doch während die Leverkusener Bayer-Kicker die Rückrunde in der Fußball-Bundesliga ziemlich verhauen haben, hat die Bayer-Rechtsabteilung zuletzt aufgeholt – das Ende 2013 eingeführte Ausbildungsprogramm für Juristen ist umfassend und durchdacht.

Mannigfache Ressourcen für die Aus- und Fortbildung können große Konzerne leichter aufbieten als kleinere Unternehmen und deren Rechtsabteilungen. 283 Millionen Euro ließ sich zum Beispiel Siemens sein gesamtes Fortbildungsprogramm im Geschäftsjahr 2012 kosten. Zwar ist ‚Legal‘ bei Siemens nur einer von zehn ‚Career Channels‘, die der Konzern mit hohem Aufwand bespielt. Doch gerade in puncto Juristenausbildung sind Bayer und Siemens groß und nehmen vielleicht sogar eine Vorbildfunktion ein.

Großer Nachholbedarf

Der Aufholbedarf von Rechtsabteilungen im Vergleich mit Kanzleien ist groß. Denn die Attraktivität der Unternehmenskarriere ist nach Jahren im Aufwind wieder dahin. Einerseits verlassen zwar nach wie vor zahlreiche Associates ihre Kanzleien, um als Syndizi weiterzuarbeiten. Andererseits nehmen Wechsel in entgegengesetzter Richtung zu. Mittlerweile wandern auch enttäuschte Syndizi aus einstmals attraktiven Rechtsabteilungen ab, ziehen zum nächsten Arbeitgeber oder zurück in den Anwaltsberuf. Kostenmanagement und Effizienzsteigerung sind zur Hauptaufgabe der Rechtsabteilungsleiter geworden, deshalb sind die Arbeitsbedingungen, speziell die Arbeitszeiten, nicht mehr so attraktiv wie früher.

Außerdem lassen Kanzleien für die Weiterbildung ihrer Juristen viel Geld springen – bei den Großen sind jährlich Summen im hohen sechsstelligen Bereich verfügbar. Das schmerzt zwar die Partner, weil es kurz­fristig den Ertrag schmälert. Aber es lockt und
bindet gleichzeitig ambitionierte Bewerber, die neben dem Gehalt das Weiterbildungsangebot eines Arbeitgebers deutlich höher priorisieren als früher. Kanzleien, früher als Sweat Shops verschrien, sind wieder ­beliebter.

Spezifische Angebote für Juristen

Juristischen Nachwuchs langfristig binden: Eva Gardyan-Eisenlohr, ­General Counsel bei Bayer Pharma, ist mit der  ­Weiterentwicklung der LPC Academy im Konzern beauftragt.

Juristischen Nachwuchs langfristig binden: Eva Gardyan-Eisenlohr, ­General Counsel bei Bayer Pharma, ist mit der ­Weiterentwicklung der LPC Academy im Konzern beauftragt.

Darunter leidet auch die Nachwuchsgewinnung bei Bayer – aber der Chemieriese hat reagiert. „Wir brauchen qualifizierten Nachwuchs, der seine Qualifikation behält und weiter ausbaut“, sagt Eva Gardyan-Eisen­lohr, General Counsel und Compliance Officer bei Bayer Pharma. „Das bedeutet, wir müssen diesen Nachwuchs finden und langfristig an das Unternehmen binden. Diese Bindung ist eine wichtige Motivation für unsere Aktivitäten im Aus- und Weiterbildungsbereich.“

Ein zentrales Mittel ist die neue LPC Academy – die Akademie der Law Patents & Compliance-Funktion, zu der weltweit nicht weniger als 750 Vollzeitstellen zählen. Gardyan-Eisenlohr ist mit der Weiterentwicklung der Ausbildung beauftragt. Ausgangspunkt ihrer Aktivitäten ist die Definition eines Kompetenzprofils für die Juristen (Kompetenzmodell für Bayer-Juristen).

Der ideale Syndikus ist demnach nicht nur fachlich brillant, sondern in drei weiteren Dimensionen kompetent: Er kennt die Bayer-Teilkonzerne und ihr operatives Geschäft, er beherrscht Kommunikation und Soft Skills und ist in Management- und Leadership-Themen geschult. Um diese nicht-fachlichen Themen innerhalb der Ausbildung anbieten zu können, müssen die ­Bayer-Juristen das Rad nicht neu erfinden. „Selbst­verständlich bedienen wir uns aus dem Pool der Bayer-Fortbildungsangebote, etwa wenn es um Kommuni­kation, Soft Skills und managementbezogene Inhalte geht“, so Gardyan-Eisenlohr. „Wir setzen allerdings ganz bewusst auch in diesem Bereich auf spezifische Angebote für Juristen.“

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