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22.05.2014 | Autor/in: Désirée Balthasar
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Viel Politik, wenig Jura

„Die Anforderungen sind extrem“

Ditmar Königsfeld vom Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO) in Bonn berät seit mehr als zehn Jahren Jobsuchende. Mit dem JPO-Programm fördert das BFIO jährlich rund 50 deutsche Berufseinsteiger. Das Programm richtet sich an Absolventen mit erster Berufserfahrung unter 32 Jahren und ist auf zwei Jahre angelegt. Es wird von der Bundesregierung gefördert.

 

azur: Juristen in internationalen Organisationen – ist das denn üblich?

Ditmar Königsfeld: Aufgrund ihrer umfassenden Ausbildung haben Juristen den Vorteil, in jeder Organisation abteilungsübergreifend arbeiten zu können, zum Beispiel in der Verwaltung und im Personalwesen. Oder sie setzten ihr spezifisch juristisches Wissen ein, etwa bei den Themen Menschenrechte, Völker- oder Umweltrecht.

Wie hilft das BFIO den Absolventen, die passende Stelle zu finden?

Im Auftrag der Bundesregierung wählt das BFIO jedes Jahr geeignete Kandidaten für das JPO-Programm aus. Und hier finden sich erstaunlich viele Juristen wieder. Die Interessenten bewerben sich dann bei uns, wir laden einige Kandidaten zu einem ersten Bewerbungsgespräch ein. Daraus treffen wir eine Vorauswahl von drei bis vier Bewerbern und leiten deren Unterlagen an die Organisation weiter. Diese wählt ihre Favoriten selbst, führt ein zweites Gespräch mit den Kandidaten, und entscheidet über Zu- oder Absage.

Wie sieht die generelle Bewerbersituation im internationalen Arbeitsumfeld – jenseits des JPO-Programms – aus?

Der Bereich ist sehr umkämpft und die Anforderungen extrem hoch. Denn die Konkurrenz kommt nicht nur aus dem eigenen Land, sondern aus der Bildungselite weltweit. Allein die UN besteht aus 193 Mitgliedsländern. Die Stellenausschreibungen werden weltweit veröffentlicht.

Was muss man mitbringen, um seine Chancen zu verbessern?

Die Konditionen werden von der Organisation selbst festgelegt und sind speziell auf die Stelle ausgerichtet. Allgemeine Voraussetzung ist eine abgeschlossene akademische Ausbildung mit internationaler Ausrichtung. Zudem sollte man fließend Englisch und eine weitere UN-Sprache beherrschen. Quantitative Vorgaben, etwa vier Jahre Berufserfahrung, sind nicht verhandelbar. Wer also nicht genau auf die Beschreibung passt, bei dem ist eine Bewerbung quasi aussichtslos. Aber im Gegensatz zum öffentlichen Dienst in Deutschland sind das erste Staatsexamen oder ein Diplom völlig ausreichend.

Heißt das, dass Referendare die Wahl­station in einer der Organisationen absolvieren können?

Grundsätzlich ja, allerdings nicht im Rahmen des JPO-Programms, sie bewerben sich direkt bei der Organisation. Die Referendare können ihre Wahlstation frei wählen, sollten aber vorher unbedingt mit dem zuständigen ­Landesjustizprüfungsamt klären, ob die Station anerkannt wird. Und dann können sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: die juristische Ausbildung vollenden und internationale Berufserfahrung sammeln.

Das Gespräch führte Désirée Balthasar.

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