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22.05.2014 | Autor/in: Désirée Balthasar
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Viel Politik, wenig Jura

Aus dem Nichts in eine internationale Organisation einzusteigen, ist dagegen schwierig. „Ich würde jedem raten, interessante Nebenfächer zu belegen, um sich ein ‚Profil‘ zu erarbeiten. Außerdem sollte man ins ­Ausland gehen, um Sprachen zu lernen“, rät Müller. Sie habe beides vereint und beispielsweise ihren BGB-Schein in Genf gemacht. So lernte sie den Standort kennen und knüpfte erste Kontakte.

Den Kontakt bei der WTO verschaffte ihr schließlich ein Professor der Universität in Genf, als sie 2007 dort ein Masterstudium der Internationalen Beziehungen absolvierte. Zuvor hatte sie ihren Master im Gewerb­lichen Rechtsschutz an der Universität Düsseldorf gemacht. Als Praktikantin kam sie erstmals in die Abteilung, in der sie jetzt als Referentin arbeitet. Es folgte ein Kurzzeitvertrag, den internationale Organisationen gerne einsetzen, um Engpässe auszugleichen.

Ausdauer und starke Nerven 

Solche Kurzzeitvakanzen entstehen, wenn sich der Bewerbungsprozess für eine freie Stelle über lange Zeit hinzieht. Nicht selten vergehen etliche Monate, bis der passende Mitarbeiter gefunden ist. In der Zwischenzeit werden Kurzzeitverträge vergeben – eine ideale Chance für Berufseinsteiger und ehemalige Praktikanten, Erfahrung zu sammeln und sich zu empfehlen. Nur selten folgt danach jedoch die Festanstellung.

Für das Einstellungsprozedere in einer internationalen Organisation brauchen Bewerber starke Nerven. Müllers Auswahlverfahren zog sich über ein Jahr hin. Denn auf eine Stelle bei der WTO kommen drei- bis fünfhundert Bewerbungen. Die Verfahren aller Organisationen haben einiges gemeinsam: Sie sind lang­wierig, aufwendig und die Konkurrenz ist groß.

Ausführliche Unterlagen für die Bewerbung

Für die erste Bewerbungsrunde reichen die Kandidaten stapelweise Papier ein: Lebensläufe, Motivationsschreiben, Zeugnisse, Referenzen, Arbeitsproben, oft in mehrere Sprachen übersetzt. Darauf folgen persönliche Auswahlgespräche, in denen fachliches Wissen abgefragt wird. Sie finden häufig gleichzeitig auf Englisch, Französisch und Deutsch statt. Dort treffen Bewerber zuweilen auf ihre Konkurrenten und müssen sich in Gruppendiskussionen behaupten.

„Am Tag des Vorstellungsgesprächs war die Anspannung besonders hoch“, erinnert sich Leonard Hess­ling (30). Der Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) durchlief für ein Praktikum ein intensives Bewerbungsverfahren. „Die Atmosphäre war äußerst kompetitiv, und keiner wusste an dem Tag, wo er steht.“ Hessling setzte sich in der Gruppendiskussion gegen seine Konkurrentin durch. Der Lohn für Anspannung und strapazierte Nerven war der eigene Schreibtisch in Kairo.

 

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