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22.05.2014 | Autor/in: Désirée Balthasar
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Viel Politik, wenig Jura

Die deutsche Juristin bereitete sich früh auf ihr Ziel vor. Sie spezialisierte sich auf das Europa- und Völkerrecht, neben einer Zusatzausbildung im französischen Recht. Während ihres Referendariats verbrachte ­Karrenstein ihre Wahlstation bei der Ständigen Vertretung der UN in Genf. Später promovierte sie zum ­Thema Menschen- und Völkerrecht und arbeitete sechs Monate im Völkerrechtsreferat des Auswärtigen Amtes. Währenddessen bewarb sie sich immer wieder auf Stellen der UN, lange Zeit erfolglos, bis sie auf das JPO-Programm stieß. Sie bekam ihre Chance.

 Unbezahlte Praktika zum Anfang

Schon vor dem Ende der Studienzeit können Interessierte mit einem Praktikum bei einer internationalen Organisation reinschnuppern. Weltweit bieten staat­liche und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Praktika an, meist unbezahlt. NGOs eignen sich aber hervorragend für den Blick in die Praxis und können später im Job von Vorteil sein. Denn Berufserfahrung zählt, vor allem solche im Ausland. Ohne fällt der Einstieg schwer. Absolventen können alternativ an anderen Traineeprogrammen teilnehmen, wie dem Young Professional Programme der UN. Oder sie gehen als Stipendiaten einer Stiftung ins Ausland, etwa mit dem Mercator-Kolleg für internationale Aufgaben.

Müller_Anna_Caroline

Von Inhalten getrieben: Anna Caroline Müller fand über die Spezialisierung im Gewerblichen Rechtschutz zur WTO in Genf.

Aber es geht auch anders: Einige schaffen den Einstieg durch Direktbewerbungen und Kurzzeitverträge. So auch Anna Caroline Müller (33). Ihr Objekt der Begierde war die Welthandelsorganisation (WTO): „Ich wäre auch zur World Intellectual Property Organisations – kurz WIPO – gegangen, meine Präferenz war aber eindeutig die WTO.“ Der Arbeitsplatz von Anna Caroline Müller ist die Abteilung für Gewerblichen Rechtsschutz der WTO.

Villa am Genfer See

Schweiz, Genf, Rue de Lausanne, Centre William Rappard: An der Südwestspitze des Genfer Sees gelegen, ist eine prachtvolle Villa seit Mitte der 1990er das Hauptquartier der WTO. „Die Schnittstelle zwischen internationalen Beziehungen und IP interessierte mich besonders. Und die WTO habe ich als tollen Arbeit­geber kennengelernt, als ich hier Praktikantin war.“

Müller ging es bei ihrer Jobsuche nicht um eine Anstellung in einer internationalen Organisation an sich, sondern um die Inhalte. „Schon in der Schule fand ich das Thema Biotechnologie sehr spannend. Im Studium war es dann das Patentrecht“, erzählt Müller. „In meinem Job wollte ich Wissenschaft und Technik mit der rechtlichen Seite kombinieren.“ Also absolvierte sie ein Masterstudium zum Gewerblichen Rechtsschutz und nahm an einer Summer School der WIPO teil.

Netzwerk mit guten Kontakten

Und sie nutzte ihre Kontakte: „Ich suchte mir die Professoren aus, die gute Verbindungen hatten“, so Müller. „Veranstaltungsreihen eignen sich sehr gut dafür, sein Netzwerk zu erweitern. Ich habe gezielt Vortragende angesprochen, zu deren Themen meine Qualifikation passte, und sie gefragt, ob sie von einem freien Praktikumsplatz wüssten.“

Netzwerken erweist sich so bei der Jobsuche in der Szene als sehr nützlich. Auch im Job gibt es dazu reichlich Möglichkeiten, ­beispielsweise in einem Mentoring-Programm des ­Verbands Deutscher Bediensteter bei Internationalen Organisationen (VDBIO). Der VDBIO ist ein nützliches Netzwerk, vor allem für Berufsanfänger.

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