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27.05.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Umfrage: Absolventen üben Fundamentalkritik am Jurastudium

Schlechte Examensvorbereitung, Defizite in der Methodenlehre und bei Schlüsselqualifikationen: Deutsche Nachwuchsjuristen gehen mit ihren Universitäten hart ins Gericht. Dies ergab die erste bundesweite Absolventenbefragung, die auf der Tagung des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften (BRF) in Bayreuth präsentiert wurde.

Befragt wurden seit Oktober 2013 über 1.000 Juristen, die mindestens den schriftlichen Teil des ersten Examens absolviert hatten. Eher negativ äußerten sich die Teilnehmer zu der Aussage „Die Universität hat mich gut auf das Examen vorbereitet“: Auf einer Skala von 1 („stimmt gar nicht“) bis 10 („absolut richtig“) lag die Durchschnittspunktzahl nur bei 4,39. Ähnlich schlecht fiel die Bewertung der rechtzeitigen Information über Anforderungen und Aufbau des Examens aus.

Knapp 56 Prozent der Befragten hatten sich per Repetitorium auf das Examen vorbereitet, der Großteil davon hatte kommerzielle Angebote genutzt. Uni-interne Repetitorien erhalten zwar an einigen Fakultäten ähnlich positive Rückmeldung, das bundesweite Angebot wird allerdings noch als ausbaufähig beschrieben.

Schlüsselqualifikationen als Baustelle

Nur 41 Prozent der Nachwuchsjuristen waren der Meinung, während ihres Studiums die im Richterausbildungsgesetz (DRiG) definierten Schlüsselqualifikationen erworben zu haben. Dazu zählen unter anderem Verhandlungsmanagement, Rhetorik, Mediation, Vernehmungslehre und Kommunikationsfähigkeit. Nachholbedarf scheint dabei weniger beim Kursangebot als bei Umsetzung und Inhalten zu bestehen. Mit der juristischen Methodenlehre waren ebenfalls nur knapp 42 Prozent der Befragten zufrieden.

Auch auf der Bundesfachschaftentagung am letzten Maiwochenende in Bayreuth fiel die Kritik der Teilnehmer an einigen Aspekten des Jurastudiums harsch aus. „Das Studium sollte uns auf das Examen und auf den Job vorbereiten. Im Moment leistet es weder das eine noch das andere“, bemängelte ein Fachschaftsvertreter.

Neuer Bundesvorstand der Jura-Fachschaften

In verschiedenen Workshops befassten sich die Studenten unter anderem mit Schlüsselqualifikationen und Schwerpunktausbildung und formulierten Forderungskataloge, um Verbesserungen beim Aufbau und der Gestaltung des Studiums anzuregen. Als vorbildlich bei der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen wurde dabei etwa das Regensburger Lernzentrum ‚Regina‘ (mehr…) herausgestellt.

Zugleich wählten die Fachschaftsvertreter einen neuen Vorstand. Zum Vorsitzenden kürten die Juristen Jonas Jousma (Universität Bayreuth), der das Amt von Julia Hörnig (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder) übernahm. (Norbert Parzinger)

Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften: http://bundesfachschaft.de/