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26.05.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Juristenkarriere: Böses Erwachen für weibliche Senior Associates

Junge Frauen in Kanzleien und Rechtsabteilungen sind zufriedener als Männer, aber nur in den ersten Berufsjahren – so ein Ergebnis der letzten azur-Associateumfrage. Viele Juristinnen wiegen sich vor allem bei ihren Aufstiegschancen lange in falscher Sicherheit, bis die wichtigen Karriereentscheidungen fallen.

Gleiche Karrierechancen für Frauen und Männer – kein Problem! Glaubt man den Personalverantwortlichen in Deutschlands Wirtschaftskanzleien und Rechtsabteilungen, sind die Arbeitgeber zwar noch ein Stück vom Ziel der völligen Chancengleichheit entfernt, aber selbstredend auf einem guten Weg. Fragt man junge männliche Juristen, sehen die Antworten oft ganz ähnlich aus. „Voll erfüllt“, schreibt ein Teilnehmer in der azur-Associateumfrage 2013 auf die Frage, was der eigene Arbeitgeber für die Chancengleichheit tun müsste. „Alles bestens“, meint ein anderer.

Einige Männer machen mittlerweile schon die Gegenrechnung auf: „Es wird bereits zu viel getan. Schlechtere Frauen werden gegenüber Männern bevorzugt“, schreibt ein Anwalt. Nur vereinzelt räumen männliche Umfrageteilnehmer Schwachpunkte ein: „Dass Mutterschutz und Elternzeit keine Auswirkung auf den Karriereweg haben, ist ein Lippenbekenntnis“, meint ein Associate.

Zehn Prozent Frauen im Boys‘ Club

Die Frauen finden deutlichere Worte. „Bitte endlich die verkrusteten Strukturen aufbrechen“, verlangt eine weibliche Associate. Eine andere fordert, „gegen das Boys‘-Club-Klima vorzugehen“. Die Frauennetzwerke und Coaching-Programme, die einige Kanzleien inzwischen anbieten, reichen vielen Umfrageteilnehmerinnen nicht aus. Eine Anwältin wünscht sich „praktische Frauenförderung statt theoretischer Vorträge und Cocktailabenden“. „Nicht immer weniger, sondern mehr Partnerinnen!“ als Vorbilder fordern gleich mehrere Juristinnen.

Dass die Männer mit der Chancengleichheit deutlich zufriedener sind als die Frauen, war zu erwarten. Der Frauenanteil unter Berufseinsteigern beträgt in deutschen Wirtschaftskanzleien zwar rund 40 Prozent, sinkt bis zum Vollpartnerstatus aber auf magere zehn Prozent (mehr…). Diese Zahlen sind seit etlichen Jahren wie in Stein gemeißelt, allen gut gemeinten Förderprogrammen zum Trotz.

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