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21.05.2014 | Autor/in: Marc Chmielewski
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Global Player jwd

Global Player jwd: Ein Beitrag aus azur 1/2014

Global Player jwd: Ein Beitrag aus azur 1/2014

Aurich, Melsungen, Schwäbisch Hall: Diese Orte liegen so weit ab vom Schuss, dass nur Einheimische und Erdkundelehrer sie auf Anhieb im Atlas finden. Für dort beheimatete Konzerne bedeutet das ein Rekrutierungsproblem, für Nachwuchsjuristen kann es eine Chance sein. Vor allem wer international arbeiten will, rennt bei vielen Arbeitgebern in der Provinz offene Werkstore ein. Von Marc Chmielewski (aus azur 1/2014)

 Der typische Headhunter ist ein geschmeidiger Werber. Der Mann aber, der Patric Karpowitz im Auftrag seines heutigen Arbeit­gebers anrief, druckste ziemlich herum. „Er sprach von einem weltweit operierenden Konzern in Nordhessen“, erinnert sich Karpowitz, ­damals 32 Jahre alt und Anwalt bei KPMG Law in ­Hamburg. „Später verriet er: Viele legen auf, sobald sie ­hören, dass der Arbeitsort in der Nähe von Kassel liegt.“

Karpowitz legte nicht auf. Er hörte sich die erstaunliche Geschichte vom Weltkonzern B. Braun aus Melsungen im Schwalm-Eder-Kreis an: Aus einer Apotheke wuchs über mehrere Generationen ein Medizintechnikriese mit heute 50.000 Mitarbeitern in 60 Ländern und mehr als fünf Milliarden Euro Jahres­umsatz (B. Braun – Der Medizinproduktehersteller im Detail). Die Provinz tragen die Nordhessen stolz im ­Namen: Offiziell heißt das Unternehmen B. Braun ­Melsungen AG. Es gibt viele solcher Geschichten von Weltmarktführern, die „janz weit draußen“ oder jwd liegen, wie der Berliner zu sagen pflegt. Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen, die Bausparkasse Schwäbisch Hall, der ostfriesische Windkraft-Pionier Enercon: Das sind internationale Unternehmen, die Juristen viel bieten – bis auf das Leben in einer Metropole.

Von Hamburg nach Melsungen: Der Headhunter druckste bei der Standortfrage herum, überzeugte Patric Karpowitz aber schließlich doch von dem Job bei B. Braun.

Von Hamburg nach Melsungen: Der Headhunter druckste bei der Standortfrage herum, überzeugte Patric Karpowitz aber schließlich doch von dem Job bei B. Braun.

Melsungen etwa hat keine Oper, der beste Fußballverein ist Sechstligist, und die einzige Großstadt im Umkreis von 150 Kilometern ist Kassel. Bis dort fährt man eine halbe Stunde mit dem Auto. Patric Karpowitz arbeitet inzwischen seit vier Jahren in der Rechtsabteilung von B. Braun. Klar, der Arbeitsort sei sehr ländlich geprägt. Trotzdem fallen Karpowitz vor allem zwei Argumente ein, die für Melsungen sprechen: ­Lebensqualität und Personalentwicklung.

In Melsungen arbeiten derzeit fünf Anwälte in der Rechtsabteilung, am Standort Tuttlingen drei. Sie kümmern sich um die vier Konzernsparten, von denen Krankenhausversorgung und Chirurgieprodukte zusammen mehr als drei Viertel des Umsatzes aus­machen. Spartenübergreifend decken die Syndizi zudem spezialisiert die wichtigsten Rechtsgebiete ab. „Die Rechtsabteilung berät vor allem bei M&A-­Transaktionen und Compliance-Themen, aber auch im Medizinprodukte- und Heilmittelwerberecht sowie allgemein im Gesellschaftsrecht und bei der Vertragsgestaltung“, sagt Karpowitz.

Angesichts dieses Pensums verwundert es nicht, dass das Unternehmen Wert auf die Fortbildung ­seiner Juristen legt. Bei den internen und externen Schulungen geht es auch um Themen wie Management und Personalführung. Dr. Dennis Hampe hat das überzeugt: Der 32-Jährige wechselte im Februar aus ­Hamburg von einer Medizinrechts-Boutique zum Chi­rurgie-Ableger von B. Braun, ­Aesculap in Tuttlingen. Das liegt zwischen Villingen-Schwenningen und Emmingen-Liptingen. Die nächsten Großstädte, Stuttgart, Freiburg und Zürich, sind knapp anderthalb ­Autostunden entfernt. „Ich hatte auch Angebote, in Hamburg oder Berlin zu arbeiten“, sagt Hampe. Aber mit Blick auf internationale Ausrichtung, Weiterbildungs- und Aufstiegschancen sei das Angebot der Melsunger schlicht am überzeugendsten gewesen.

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