News
22.05.2014 | Autor/in: Laura Bartels
Themen in dieser Nachricht:

Für ein paar Dollar mehr

AZ01/14

Für ein paar Dollar mehr: Beitrag aus azur 1/2014.

Ein Master-Studium in den USA verbessert die Sprachkenntnisse, erweitert den Horizont und weckt das Interesse international agierender Arbeitgeber. Allerdings kostet der Abschluss auch eine Menge Geld. Von Laura Lotz (aus azur 1/2014)

Als Gunther Weiss Ende der 1990er-Jahre sein zweites Staatsexamen abgeschlossen hatte, wusste er noch nicht so recht, was er damit machen sollte. Anwalt werden stand nicht oben auf der Liste. „Ich wollte in jedem Fall noch eine andere Rechtskultur in Theorie und Praxis kennenlernen, bevor ich im Berufsleben durchstarte“, sagt der Greenfort-Partner. Und wie so viele andere Wirtschaftsanwälte entschied sich Weiss für einen Master of Laws (LL.M.) in den Ver­einigten Staaten. Warum USA? Ganz einfach: „Das US-amerikanische Rechtssystem hat im internationalen Wirtschaftsleben eine herausragende Stellung“, begründet Weiss seine Wahl (Vorteil USA).

Die Bewerbungsphase nahm damals so viel Zeit in Anspruch, wie er letztlich auch in Amerika verbrachte. Für jede Universität erstellte Weiss eine individuelle Bewerbung. Am Ende hatte er die Wahl zwischen mehreren Top-Unis – und entschied sich für eine der besten des Landes: die Yale University im US-Bundesstaat Connecticut (Top-Law-Schools auf einen Blick). „Mir war es sehr wichtig, den LL.M. an einer hochkarätigen Universität zu machen, damit der Abschluss einen Wert hat. Denn einen LL.M. kann man heute theoretisch überall kaufen“, sagt Weiss.

Gründer mit LL.M.

Greenfort

Image ist alles: Für die Greenfort-Partner Gunther Weiss (links) und Marc Lembke ist der Ruf einer Law School entscheidend, weil er die Wertigkeit des LL.M.-Abschlusses unterstreicht.

Dieser Ansicht ist auch sein Kollege Marc Lembke. 2005 gründeten Weiss und Lembke nach einigen Jahren in einer internationalen Großkanzlei mit drei weiteren Kollegen ihre ­eigene Sozietät Greenfort. Die Wirtschaftskanzlei in Frankfurt betreut vorwiegend mittelständische Unternehmen und (internationale) Investoren. Auch Lembke legte damals großen Wert darauf, an einer der Top-Law-Schools zu studieren. Ihn verschlug es schließlich an die Cornell University – eine von acht US-amerikanischen Elite-Universitäten.

Neben der fachlichen Qualität überzeugten Lembke auch private Gründe von der Universität in Ithaca im Nordosten der USA. „Ich bin im Referendariat Vater geworden“, sagt er. Damals hätten seine Frau und er entschieden, gemeinsam als Familie in die USA zu gehen. „Wir haben uns dann nach einer führenden Law School in einem Umfeld umgesehen, in dem die Familie leichter Anschluss findet als in einer Großstadt“, sagt der Arbeitsrechtler. Und da bot sich die Law School in der 30.000-Einwohnerstadt, vier ­Autostunden vom hektischen New York City entfernt, einfach an.

Kontakte knüpfen

Die meisten Nachwuchsjuristen machen sich nach dem ersten oder zweiten Examen auf den Weg ins Ausland, weil sie entweder zwischen den Lerntretmühlen der staatlichen Prüfungen oder vor dem Einstieg ins Berufsleben noch einmal einen karriereverträglichen Tapetenwechsel brauchen. Zwar verbessert auch Surfen am Strand von San Diego die Englischkenntnisse und erweitert womöglich den kulturellen Horizont. Aber deutschen Arbeitgebern reicht das oft nicht, und erst ein Jahr an einer angesehenen US-Law-School lässt ihr Herz im Zweifel höher schlagen.

Das überzeugte auch Dr. Peter Polke von der US-Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, nach der ersten Staats­prüfung nach Übersee zu gehen. Der Senior Attorney zog die University of Boston einer der Top-Ten-Law-Schools vor. „Ich habe mich bewusst nicht nur auf ­Elite-Unis konzen­triert. Denn dort werden die Kurse teilweise separat von den US-amerikanischen JD-Studenten abgehalten. Und gerade der Kontakt ist ja wichtig“, sagt Polke.

Seiten: 123...67