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22.05.2014 | Autor/in: Eva Flick
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Ein Hacker sieht schwarz

Michael H. kam dennoch nicht um eine zivilrecht­liche Auseinandersetzung herum. Denn außer der Unterlassungsklage machten Sky und Nagravision Schadensersatz gegen ihn geltend. Doch eine konkrete Schadenssumme zu ermitteln, ist nicht einfach. Theoretisch lässt sich der Schaden zwar leicht beziffern. Die Staatsanwaltschaft geht von bis zu 1.300 Kunden aus, die Michael H. in einer Datenbank führte. Wenn insgesamt 1.300 Personen illegal Sky geschaut und so rund 40 Euro Gebühr pro Monat gespart haben, summiert sich der Schaden pro Person und Jahr auf 480 Euro.

Insgesamt hätte der Hacker den Sender so um 624.000 Euro geprellt. Überführte Hacker argumentieren allerdings auf die immer gleiche Art dagegen: Wer illegal über einen manipulierten Receiver schaut, zahlt dafür natürlich weniger als den regulären Preis und wäre zum vollen Preis niemals Kunde von Sky geworden. So simpel ist die Rechnung der geschädigten Unternehmen allerdings nicht. Denn es geht ihnen nicht nur um den sogenannten Verletzergewinn, sondern auch um den damit verbundenen Imageverlust des Senders.

„Sky knacken“

„Der Schaden, den illegale Streamer anrichten, ist gesamtwirtschaftlich gesehen nicht unerheblich“, bestätigt Thomas Stahn, der sich bei Sky mit dem Thema Pirateriebekämpfung beschäftigt. Den Imageschaden in Heller und Pfennig auszurechnen, geht allerdings kaum. Hacker machten dem Sender schon zu schaffen, als er noch unter Premiere firmierte. Und wer heute „Sky“ googelt, findet als vierten alternativen Suchvorschlag „Sky knacken“.

Sich einen illegalen Zugang zum Sky-Angebot zu verschaffen, erscheint in manchen Kreisen eine Selbstverständlichkeit: Völlig offen diskutieren Internetnutzer in einschlägigen Blogs die Frage, wie man am einfachsten das Sky-Abo umschifft – in der ­Hacker-Sprache „Sky hell macht“. Beliebter Diskussionspunkt ist auch die Frage, wie hoch das Risiko ist, erwischt zu werden. Selbst die Spekulation, ob ein Satellit die illegalen Zuschauer orten kann, beschäftigt die Blogger. Aber hat Sky überhaupt ein Interesse daran, die „kleinen Fische“, sprich die Kunden der ­Hacker, zu erwischen?

 Kampf gegen Windmühlen

Fakt ist: Sky ermittelt auch gegen die Kunden dieser Hacker. Die „kleinen Fische“ gehen regelmäßig unabsichtlich ins Netz der Ermittler, vor allem wenn überführte Hacker ordentliche Kundenlisten führten. Wie im Fall Michael H. fallen den Ermittlern bei Razzien dann die Namen in die Hände und gelangen weiter zu Sky. Der Sender möchte nun seinen Kunden vermitteln, dass er sich diese Geschäftsschädigung nicht ­bieten lässt.

Mit dem Fall von Michael H. ging Sky ­deswegen offensiv um und veröffentlichte nach dem Urteil gegen den Hacker prompt eine Presseerklärung. Unter der Überschrift „Card-Sharing-Betreiber wird zu Haftstrafe verurteilt“ lobte das Unternehmen das ­„klare Zeichen“ der Stolzenauer Amtsrichter, das solche Verurteilungen in der Öffentlichkeit setzen. Aber letztlich kämpft der Fernsehsender gegen Wind­mühlen. Jedes System, sei es anfangs noch so sicher, wurde am Ende manipuliert.

Bei FarmVille dagegen sind üppige Maisfelder und selbst gezüchtete Online-Erdbeeren scheinbar absolut sicher – zumindest auf den ersten Blick. Denn auch das beliebte Onlinespiel hat aus Sicht von ­Datenschützern einen äußerst kritischen Pferdefuß: Wer FarmVille spielt, räumt Zynga das Recht ein, auf alle bei Facebook hinterlegten Daten zugreifen zu ­dürfen.

 

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