News
22.05.2014 | Autor/in: Eva Flick
Themen in dieser Nachricht:

Ein Hacker sieht schwarz

AZ01/14

Ein Hacker sieht schwarz: Beitrag aus azur 1/2104

Warum zahlen, wenn es auch umsonst geht? Schwarzseher kosten den ­Bezahlsender Sky Millionen. Nach jahrelanger Recherche kamen die ­Ermittler und Anwälte einem deutschen Ring von Datendieben auf die Schliche. Von Eva Flick (aus azur 1/2014)

Michael H. ackerte aus Leidenschaft. Der Niedersachse grub seine Äcker um, pflegte seine Erdbeeren und bestellte Maisfelder. Doch zum Ernten kam er nicht. Denn 2012 wird dem Hobbybauern seine Leidenschaft zum Verhängnis.

Michael H. betrieb eine Zeit lang einen virtuellen Hof auf FarmVille, einem Onlinespiel des US-Produzenten Zynga. Zwischenzeitlich säten und ernteten dort monatlich 70 Millionen Nutzer. ­Michael H.‘s Begeisterung für das Spiel nahm ein solches Ausmaß an, dass er sich einen zweiten Account zulegte. Auf dem einen spielte er unter einem Deck­namen, auf dem ­anderen unter seinem richtigen Namen. Doch ­eines Tages verwendete der Niedersachse seinen richtigen Namen unter dem Decknamen-­Account – und flog damit auf. Die auf Internetkriminalität spezialisierte Staatsanwaltschaft Verden schlug zu.

Sky gehackt

Denn der Niedersachse frönte seiner FarmVille-Leidenschaft nur in seiner Freizeit. Zum Geldverdienen konzentrierte er sich auf das Knacken von Bezahlangeboten des Fernsehsenders Sky. Die wahre Identität des Hackers ist nicht bekannt – wir nennen ihn hier ­Michael H. Und die Liste seiner Vergehen im Ermittlungsverfahren war lang: Verdacht auf Ausspähen von Daten, ­gewerbsmäßiger Computerbetrug, Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen, gewerbsmäßige Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke, gewerbsmäßiger Betrug und schlussendlich noch ­illegaler Handel mit Betäubungsmitteln.

Als er seine beiden FarmVille-Identitäten vermischte, enttarnte Michael H. seine sorgsam gehütete Identität, die er bei zahlreichen Hacking-Angriffen auf Sky benutzt hatte. Drei Jahre versuchten der Fernsehsender, Nagravision, ein Hersteller von Sicherheitssoftware, Anwälte und Polizei vergeblich, ihm auf die Schliche zu kommen. Michael H. gestand sofort. Im Dezember 2013 verurteilte ihn das Amtsgericht Stolzenau nach drei Verhandlungstagen zu 18 Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Die Berufung steht aus.

Super-GAU durch Datenklau

Cyberkriminalität in seinen verschiedenen Ausprägungen hält seit Jahren nicht nur Unternehmen wie Sky in Atem. Prominenter Auftakt für eine Attacke der größeren Art war das Playstation-Netzwerk von Sony 2011. Hacker stahlen dem Medienkonzern 70 Millionen Kundendaten inklusive Adressen, Passwörtern und Kreditkartennummern. Für das Image von Sony bedeutete das einen Super-GAU.

Alarmierend ist auch die Statistik zu Straftaten im Internet, die das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen 2012 veröffentlichte: Danach nahmen Computersabotagen um 175 Prozent zu und das Ausspähen von Daten um 34 Prozent. Erst im Frühjahr 2014 meldete die Staatsanwaltschaft Verden, dass 18 Mil­lionen E-Mail-Adressen samt Passwörtern bei alle großen deutschen Providern gehackt wurden.

Seiten: 12345